3) Seit dem 16. Jahrhundert ist Wien weltweit als musikalische Hauptstadt Europas anerkannt.

Hier geht es zu Recht um Qualitäten und nirgendwo wird auf eine konkrete Höhe abgestellt. Und vor allem wird der Wandel der Stadt angesprochen. Wiens Qualität besteht darin, auch den architektonischen Wandel über die Jahrhunderte zu eben jenem Kunstwerk geformt zu haben, das eine europäische Stadt ausmacht. Und mit nochmaligem Blick auf die derzeitige inferiore Qualität des Standortes gilt es mit hohem Respekt und Qualitätsbewusstsein die Stadt, auch an diesem Ort, weiterzuentwickeln und zu verbessern. Denn: Was für ein antiurbaner, einseitiger Maßstab ist es, einen Maßstock zu nehmen, diesen auf 43 Meter einzustellen und so Stadt zu entwickeln. Mitten in der Herrengasse wurde in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts ein Hochhaus errichtet, welches heute zurecht als qualitätsvoller Beitrag seiner Epoche verstanden wird. Dieses würde die 43-Meter-Latte der Unesco Vertreter ebenso verhindern wie den Ringturm. Eine 43-Meter-Latte ist kein Qualitätsmerkmal, und es gilt verständige Stadtplaner der Unesco zu überzeugen, dass das Heumarktprojekt die stadträumlichen Qualitäten Wiens nicht schmälert, sondern steigert.

Ein Rechts-, kein Willkürstaat


Ein Kritikpunkt betrifft die Umstände des Erwerbes des Grundstücks und die Forderung, "so etwas" dürfe man nicht mit einer Widmung "belohnen". Abgesehen davon, dass auch ich den seinerzeitigen Verkauf durch den Stadterweiterungsfonds für falsch halte, ist für mich Folgendes sehr wichtig festzuhalten: Es ist nicht Aufgabe der Stadtplanung und darf es auch gar nicht sein, wie eine Paralleljustiz moralisches Wohlverhalten zu überprüfen und gegebenenfalls zu sanktionieren. Wir sind ein Rechts- und kein Willkürstaat. Die eingebrachten Überlegungen, Grundstückseigentümer zu "belohnen" oder zu "bestrafen", oder städtebauliche Entscheidungen davon abhängig zu machen, ob jemand "zu den Werten der Grünen passt", sind in der Raumordnung zu Recht nicht vorgesehen. Ausschließlich städtebauliche Überlegungen und die in der Bauordnung beschriebenen Ziele der Stadtplanung haben unser Handeln zu leiten.

Abschließend zur viel kritisierten Nutzung des Turms für hochpreisige Wohnungen: Auch wenn die Wohnungsfläche nur 10 Prozent der Gesamtfläche ausmacht, wäre auch mir eine andere Nutzung lieber. Es sei nur die ketzerische Frage gestattet: Würden die Kritiker verstummen, wäre statt Luxuswohnungen eine öffentliche, etwa kulturelle, universitäre oder andere Wien bereichernde Nutzung vorgesehen? Wenn es nur das ist, dann würde ich diese Debatte gerne weiter führen.

Zum Autor

Christoph

Chorherr

ist Sprecher der Wiener Grünen für Energie, Klimaschutz, Radverkehr, Schule der Zukunft und Stadtplanung.