Wien. (flor) Die aktuelle Befragung zur Parkraumbewirtschaftung in Hietzing hat das Ergebnis der Befragung von 2013 bestätigt: Etwa 68 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner haben sich gegen die Einführung eines Parkpickerls ausgesprochen. 2013 waren es noch 78,5 Prozent, die dagegen gestimmt haben.

Seit 8.30 Uhr zählten am Donnerstag 70 Personen die Stimmen aus. Insgesamt wurden 45.691 Briefe verschickt - davon sind 24.821 Kuverts zurückgekommen. Das entspricht einer Beteiligung von 54 Prozent. Die Auswertung erfolgte nach Grätzeln. An die Hietzinger wurden nämlich zwei Fragen gestellt: Sie konnten sowohl darüber abstimmen, ob sie für die Einführung der Parkraumbewirtschaftung in den überparkten Gebieten ihres jeweiligen Grätzels sind, als auch darüber, ob sie das Parkpickerl im gesamten Bezirk wollen - wobei es sich auch in diesem Fall nur um die überparkten Gebiete gehandelt hätte, wie betont wurde.

Abgestimmt wurde in den Sprengeln Unter St. Veit, Ober St. Veit, Speising/Rosenberg, Lainz, Hacking, Friedenstadt/SAT/St. Hubertus und Alt-Hietzing/Schönbrunn. In keinem einzigen der Sprengel hat sich die Bevölkerung für die Parkraumbewirtschaftung ausgesprochen. "Wir in Hietzing nehmen Bürgerbeteiligung ernst. Jetzt werde ich dafür sorgen, dass der Wählerwille umgesetzt wird", sagte Bezirksvorsteherin Silke Kobald (ÖVP) in einer Aussendung.

Erfreut über das "Nein" zum Parkpickerl zeigte sich FPÖ-Bezirksobmann Günter Kasal. "Einen größeren Bauchfleck kann man als Bezirksvorsteherin gar nicht machen", meinte er in Richtung Kobald. "Das Konzept war nicht durchdacht."

Mehr Parkdruck in Hietzing seit Ausweitung in Penzing


Der Parkdruck in Hietzing hatte sich - nachdem der Nachbarbezirk Penzing im Juni 2014 die Bereiche, in denen für das Autoabstellen bezahlt werden muss, ausgeweitet hatte - verschärft.

Dass es trotzdem zu einem klaren "Nein" zur Parkraumbewirtschaftung gekommen ist, überrascht den Verkehrsexperten Markus Gansterer vom VCÖ: "Unter dem Strich hat das Parkpickerl für die Bewohner viele Vorteile. Sie finden leichter einen Parkplatz und es reduziert den Verkehr im Bezirk generell." Oft würden sich die Anrainer am Preis stoßen, tatsächlich komme das Parkpickerl aber nur auf 50 Cent pro Tag. "Es braucht dieses Signal aber, um zu zeigen, dass öffentliche Flächen einen Wert haben", meint Gansterer.

Ein "Nein" zum Parkpickerl sei oft auch eine emotionale Entscheidung. "Es sind ja immer dieselben Argumente, die vorgebracht werden: Wie etwa, dass Angehörige nicht mehr zu Besuch kommen könnten." Diese Dinge würden sich aber lösen lassen.

Auch Döbling stimmte im November gegen Parkpickerl


Das letzte "Nein" bei einer Befragung zur Parkraumbewirtschaftung kam im November 2016 in Döbling zustande. Dort entschieden sich die Bewohnerinnen und Bewohner mit einer sehr knappen Mehrheit von 51,6 Prozent gegen die Einführung.

Auch in Währing stimmten die Bewohner 2012 und 2013 gegen die Einführung des Parkpickerls. Während es 2012 noch zwei Drittel waren, stimmten 2013 aber schon deutlich weniger, nämlich 56 Prozent, dagegen. Im September des Vorjahres wurde die Parkraumbewirtschaftung von der grünen Bezirksvorstehung allerdings trotzdem eingeführt.

"Je mehr Bezirke das Parkpickerl beschließen, desto größer wird der Druck auf die anderen", sagt der Verkehrsexperte Ulrich Leth von der Technischen Universität Wien. Denn dann würden sich auch die vielen Einpendler auf andere Bezirke verlagern. "In Hietzing ist der Druck aber offensichtlich noch nicht groß genug."

Dieser könnte sich aber deutlich erhöhen, wenn der ORF am Küniglberg zusammengefasst werde, meint Leth. Denn werde der Parkdruck in der Umgebung mit Sicherheit steigen.

Der Unterschied in den beiden Befragungen von mehr als zehn Prozent mache aber bereits jetzt deutlich, dass der Trend insgesamt in Richtung Parkraumbewirtschaftung gehe. Noch scheine Hietzing allerdings nicht reif dafür, so Leth. Denn dort seien noch viele mit dem Auto groß geworden, sagt Gansterer.