Wien. Er hat schon die Schraubenfabrik ins Leben gerufen und den Rochuspark. Und jetzt eröffnet er ein drittes Projekt: den Markhof. Stefan Leitner-Sidl ist nicht nur umtriebiger Gründer von Coworking-Plätzen und damit auch Stadtentwickler, sondern er ist auch Vater von drei Söhnen. Gemeinsam mit Roland Dunzendorfer und Florence Holzer hat er vor zwei Jahren den Verein Colearning ins Leben gerufen. Ein Zusammenschluss von Eltern, die ihren Kindern eine Alternative zur "normalen Schule" bieten wollten.

Heute, Mittwoch, eröffnet das neue Zuhause des Vereins in der Markhofgasse 19 im 3. Bezirk. Auf einer Fläche von 2200 Quadratmetern soll dort etwas Neues entstehen - ein Dorf in der Stadt, wie die Betreiber es nennen. Damit wird zusammengeführt, was bis jetzt zwar stattfand, aber meist an unterschiedlichen Orten: riesige Coworking-Flächen für ein gemeinsames Arbeiten, eine alternative Schule für 6 bis 18-Jährige, ein Café, ein Gemeinschaftsgarten, eine Foodcoop, ein Seminar- und Eventzentrum.

Die Renaissance des Gemeinschaftlichen in der anonymen Stadt und der Spruch "Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen" ist nicht neu. Auch nicht die Idee der von Eltern geführten alternativen Schulen oder des häuslichen Unterrichts. Dennoch gibt es Unterschiede. "Wir haben keine Lehrer engagiert, sondern Lernbegleiter. Diese müssen gar keine Pädagogen sein. Bei uns wird nicht unterrichtet, sondern es werden Lernprozesse begleitet", sagt Leitner-Sidl zur "Wiener Zeitung". Das Konzept basiere auf bekannten und neueren pädagogischen Konzepten wie etwa dem sogenannten Lais-Konzept. "Wenn du in einer Gruppe eine angstfreie Atmosphäre herstellst, diese begleitest, dann kommen die Lernenden in ein Art Flow, dann geht das Lernen extrem schnell, sodass du als Erwachsener kaum mitkommst", so Leitner-Sidl.

35 Kinder zwischen 6 und 16 Jahren übersiedeln von der Hofmühlgasse im 6. Bezirk in den Markhof. Die Lerngruppen sind somit altersgemischt, gelernt wird von Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 Uhr. Hausaufgaben gibt es keine. Die Prüfungen absolvieren die Kinder als Externisten in anderen Schulen. "Somit ist sichergestellt, dass sie am Ende mindestens so viel können wie alle anderen auch", so der Mit-Gründer.

"Zynische Trennung" in Mittelschule und Gymnasium

"Ich habe es selbst bei meinem Kind erlebt. Das Leid in der Regelschule, die Konditionierung, wo es nur darum geht, dass Sachen gelernt werden müssen, weil es im Lehrplan so steht", sagt Leitner-Sidl. Außerdem soll die neue Schulform die "zynische Trennung" in Mittelschule und Gymnasium vorwegnehmen. "Da machen wir nicht mit", sagt der Vater. "Von überall haben wir gehört, dass das Gymnasium nur noch ein einziger Stress ist.