Wien. "Niemals damit gerechnet", "Fassen kann ich es ja immer noch nicht so wirklich." Die Überraschung über ihre Wahl als grüne Fixstarterin für den Nationalrat konnte Sigrid Maurer auf Twitter nicht verbergen. Bei der Wiener Landesversammlung wurde sie hinter Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek (87,9 Prozent) und Klubchef Albert Steinhauser auf den dritten Listenplatz gewählt.

Die Wahl der Wissenschaftssprecherin blieb an diesem Samstagnachmittag nicht die einzige Überraschung. Einen Platz hinter ihr folgt Markus Koza, Vorsitzender der Unabhängigen Gewerkschafter im ÖGB. Ebenso bewarben sich die Nationalräte Alev Korun, Wolfgang Zinggl, sowie die Bundesrätin Ewa Dziedzic. Erfolglos. Sie wurden auf der Liste zu weit nach hinten gereiht, um noch reale Chancen auf einen Einzug in den Nationalrat zu haben. Ihnen bleibt nur noch, das Mandat über die Bundesliste zu erhalten. Diese wird beim Grünen Bundeskongress am 25. Juni besetzt.

Mit der Wahl von Maurer und Koza haben sich jene Kandidaten bei den Wiener Grünen durchgesetzt, mit denen die Partei am wenigsten ihr eigenes Profil schärfen wird. Maurer steht für eine Hochschulpolitik, die sich kaum von jener der roten Studentenorganisation VSStÖ unterscheidet. Auch Koza nimmt als Gewerkschafter Positionen ein, die genauso gut Platz in der SPÖ hätten.

Dabei sollten sich die Grünen bemühen, ihre Eigenständigkeit hervorzukehren. Es wird für Lunacek ohnehin schwierig, gegen die drei Kanzlerkandidaten Kern (SPÖ), Kurz (ÖVP) und Strache (FPÖ) zu bestehen. Umso mehr braucht sie ein schlagkräftiges Team.

Mehr Ruhe wird mit der Wahl von Maurer und Koza jedoch nicht in die Partei einkehren. "Wir schließen die Reihen und sprechen mit einer Stimme. Abweichen oder Pluralismus soll es nicht mehr geben", kritisiert ein grüner Funktionär, der nicht namentlich genannt werden will.

Dass Zinggl nicht mehr gewählt wurde, sorgt in der Parteibasis ebenso für Kopfschütteln. "Der prominenteste Heumarktgegner auf Bundesebene musste abgestraft werden", heißt es. Sein Nachfolger, Markus Koza, sei hingegen ein Heumarkt-Befürworter.

Inwieweit die grünen Funktionäre hinter der Liste stehen, wird sich im Wahlkampf zeigen. Fest steht: Wenn die Partei gegen das Kanzler-Triumvirat bestehen will, ist sie auf jeden einzelnen Sympathisanten angewiesen.