Wien. In Wien einen Parkplatz zu finden, ist eine Herausforderung- auch für Radfahrer. 42.584 Fahrradabstellplätze sind derzeit über die 23 Bezirke verteilt. Das entspricht einem Abstellplatz für 43 Wiener. Radlobby und Verkehrsclub Österreich (VCÖ) fordern deshalb mehr Parkplätze für Räder. "Es geht darum, das Fahrrad als gleichwertiges Verkehrsmittel bei der Platzverteilung zu sehen", sagt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer zur "Wiener Zeitung". Fahrradstellplätze seien ein wichtiger Faktor, um das Radfahren attraktiver zu machen.

Laut einer aktuellen Umfrage des Verkehrsclubs ist jeder zweite Radler mit der Anzahl oder Qualität der Radabstellanlagen im Wohnort unzufrieden. Jeder Dritte wünscht sich bessere Abstellmöglichkeiten bei den Geschäften. Ein Blick auf die Mariahilfer Straße etwa bestätigt dies. Dort gibt es 316 Bügel, also Platz für theoretisch 632 Räder. Doch oft sind die Stellplätze überbelegt, mitunter hängt ein halbes Dutzend Räder an einem Bügel.

Stadt baut zu wenige Stellplätze

Verantwortlich für die Errichtung sind MA28 (Straßenverwaltung und Straßenbau), MA46 (Verkehrsorganisation) und die Bezirke. Laut MA28 sind derzeit keine weiteren Stellplätze auf der Mariahilfer Straße geplant. Denn das Konzept der seit zwei Jahren verkehrsberuhigten Straße habe eine "Entrümpelung" vorgesehen. Wo neue Stellplätze entstehen, werde "bedarfsorientiert" entschieden, heißt es bei der Mobilitätsagentur der Stadt Wien. Jährlich würden so rund 2500 neue Stellplätze errichtet.

Doch das sind viel zu wenig, wenn man eine Studie der TU Wien aus dem Jahr 2013 heranzieht, die im Auftrag der Wiener Umweltanwaltschaft durchgeführt wurde. Die Fragestellung lautete: Was ist nötig, um den zukünftigen Radverkehr unterzubringen? Ausgangspunkt war das Jahr 2011, in dem es rund 33.000 Stellplätze in Wien gab. Bis 2020 rechnete man mit einem zusätzlichen Bedarf von weiteren 32.000 - also einer Verdopplung. "Wird ein Realisierungsprogramm mit einer Umsetzungsdauer von fünf Jahren gewählt, dann bedeutet dies die Errichtung von jährlich 6400 Stellplätzen", schreibt Studienautor Paul Pfaffenbichler. Verkehrspolitisches Ziel der Stadt war damals, einen Radverkehrsanteil von acht Prozent bis 2020 zu erreichen. Heute seien "bis 2025 zehn Prozent das mittelfristige Ziel", sagt Kathrin Ivancsits von der Mobilitätsagentur. 2016 lag er bei sieben Prozent.

"Bisher ist die Stadt Wien bei der Errichtung von Stellplätzen sehr planlos vorgegangen", sagt Verkehrsplaner Pfaffenbichler. "Man hat dort Stellplätze errichtet, wo Platz war und es die Autofahrer nicht gestört hat." Doch Pfaffenbichler gibt auch zu bedenken, dass Radfahrer sehr umwegempfindlich sind. "Man will sein Rad am Zielort anhängen." In Praxis steht das Rad dann an einer Straßenlaterne, obwohl 50 Meter weiter ein freier Abstellplatz wäre. Manche Stellplätze sind darum sehr schlecht ausgelastet, manche sind überlastet.

700 Euro für einen Bügel

Bei der Stadt ist man sich der Studie bewusst. "Wenn sie von 66.000 Stellplätzen und acht Prozent Radaufkommen 2020 ausgeht, sind wir allerdings noch weit entfernt", räumt Matthias Holzmüller, Sprecher der MA28 ein. 700 Euro kostet ein grüner Bügel der Stadt Wien, die werbefinanzierten Stellplätze werden mit jeweils 138 Euro gefördert. Im vergangenen Jahr wurden etwas mehr als 68.000 Euro an Förderungen ausbezahlt, das entspricht rund 500 neuen Stellplätzen. Der Rest werde laut Holzmüller aus den 23 Bezirksbudgets finanziert. Die Bezirke, die in der Regionalpolitik entscheiden, sieht er in der Pflicht: "Die Bezirksvorsteher haben das Sagen, ob Bügel kommen oder nicht."

So oder so, ein Ausbau der Radinfrastruktur ist dringend notwendig, denn in Wien wächst der Radverkehr jedes Jahr. 2010 wurden an der Zählstelle bei der Operngasse im Schnitt 2775 Radfahrer täglich gezählt. 2016 waren es 4837 - also rund 74 Prozent mehr. Von 2015 auf 2016 wurde bei manchen Zählstellen ein Zuwachs von 18 Prozent registriert.

Doch der Umstieg auf das Fahrrad wäre auch aus Sicht der Umwelt unumgänglich. Wie die "Wiener Zeitung" berichtete, stöhnt die Stadt unter den Dieselabgasen. Bei einem Drittel aller städtischen Messstellen wird die Belastungsgrenze bereits überschritten. Lösungen für ein Fahrverbot gibt es bisher keine.