6.340 Wohnungen, rund 14.000 Bewohner und jeder Dritte ist älter als 60 Jahre: Die Per-Albin-Hansson-Siedlung ist in die Jahre gekommen und soll nun fit für die Zukunft gemacht werden. Für die Bewohner, aber auch für die 2020/2022 in Wien stattfindende Internationale Bauausstellung – ein Flaggschiff von SPÖ-Stadtrat Michael Ludwig.

"Die Per-Albin-Hansson-Siedlung ist einer der wichtigsten kommunalen Nachkriegsbauten. Vor kurzem haben wir gemeinsam mit der schwedischen Botschaft das 70-jährige Jubiläum gefeiert", sagt SPÖ-Wohnbaustadtrat Ludwig bei der Präsentation der Modernisierungs-Offensive, die gemeinsam mit dem Bezirk umgesetzt werden soll.

Die Basis dafür ist eine aktuelle Befragung unter den Bewohnern – durchgeführt vom Gallup-Institut. Die Rücklaufquote betrug 20 Prozent, 1.190 Fragebögen konnten ausgewertet werden. "Mehr als 70 Prozent der Befragten haben angegeben, dass die Per-Albin-Hansson-Siedlung für sie eine sehr gute oder gute Wohnzufriedenheit aufweist. 22 Prozent bewerten die Wohnzufriedenheit mit einem Befriedigend und nur vier Prozent mit einem Genügend", erläuterte Stadtrat Ludwig die Ergebnisse. Ein gutes Zeugnis stellen die Bewohner auch ihren Nachbarn aus. 84 Prozent haben laut der Umfrage einen guten Kontakt zu ihren Nachbarn, 15 Prozent pflegen sogar eine Freundschaft. "Die Sicherheit wird insgesamt als sehr gut empfunden, obwohl es Optimierungsbedarf gibt", sagt Ludwig. 74 Prozent der Befragten bewerten die Beleuchtung der Hauseingänge und 69 Prozent die Sicherheit in der Wohnhausanlage als sehr gut. 55 Prozent der Befragten fühlen sich mit der Beleuchtung der Siedlungswege sicher.

Die weiteren Ergebnisse: Ein Drittel wünscht sich eine Verkehrsberuhigung und nur jeder Zweite ist mit der aktuellen Parkplatzsituation zufrieden. 33 Prozent der Befragten plädieren für zusätzliche Garagen. Interessant: Während 56 Prozent der Befragten mit den Sport- und Spielmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche zufrieden sind, sehen 36 Prozent der Eltern darin jedoch ein Manko.

Bandenbildung in den 1980er Jahren ist Geschichte

Der Favoritner Bezirksvorsteher Marcus Franz ist in der Per-Albin-Hansson-Siedlung aufgewachsen. "Ich bin dort groß geworden und habe auch eine Zeitlang im neuen Teil der Siedlung gelebt. Mein Sohn ist auch dort in den Kindergarten gegangen. Ich kenne die Siedlung. Die Wohnqualität ist hochwertig", sagt er. Der schlechte Ruf der 1980er Jahren sei Geschichte. "Die Bandenbildungen und die rivalisierenden Jugendbanden gibt es heute nicht mehr", kommentiert er.

Demografisch gesehen ist die Hansson-Siedlung die älteste Siedlung Wiens – 36 Prozent der Bewohner ist älter als 60 Jahre.

"Damals sind viele Jungfamilien hier hergezogen, die Kinder sind weggezogen und die Eltern sind geblieben, deshalb sind viele Menschen im Pensionsalter", weiß Franz. Und das schüre die Konflikte – Jung gegen Alt oder Alt gegen Jung. "Ich würde mir wünschen, dass den unterschiedlichen Generationen ein gutes Miteinander gelingt. Momentan ist da nicht so. Denn, wenn man älter ist, vergisst man, dass man selbst einmal Kinder hatte, die vielleicht auch Lärm gemacht haben und spielen wollten. Eine gute Mischung macht es aus. Ich wünsche mir, dass sich alle hier wohl fühlen", sagt Bezirkschef Marcus Franz.

Modernisierungs-Offensive 

Die konkreten Schritte der Modernisierungs-Offensive möchten die Stadt und der Bezirk gemeinsam mit den Bewohnern in der eigens für die Hansson-Siedlung ins Leben gerufene Stadtteilwerkstatt diskutieren und umsetzen.

Ein Prozess soll erst 2022 mit der Internationalen Bauausstellung abgeschlossen sein. Fix ist jedoch, der Ausbau von seniorengerechten Wohnangeboten und Service-Einrichtungen. Weiteres soll das Hansson-Zentrum erweitert und die Wegbeleuchtung in der Siedlung überprüft werden. Geplant ist ebenfalls, dass noch dieses Jahr eine Licht- und Sicherheitsplanung in Zusammenarbeit mit der Wiener Polizei gestartet wird.

"Als nächsten Schritt, wäre es sinnvoll, eine Verkehrsuntersuchung anzustreben, um zu sehen, wie die Verkehrswege der Bewohnerinnen und Bewohner verlaufen", erklärt Favoritens Bezirksvorsteher Marcus Franz.
Der erste Teil der Favoritner Gemeindebausiedlung, benannt nach dem schwedischen Ministerpräsidenten Per Albin Hansson (1885-1946), entstand in den Jahren 1947 bis 1951. Es war das erste große Wohnbauvorhaben der Gemeinde Wien nach dem Zweiten Weltkrieg. In den 1960er und 1970er Jahren wurden die beiden weiteren Bauteile, die Per-Albin-Hansson-Siedlung Nord und Ost, errichtet. In den 1990er Jahren wurde die Anlage generalsaniert.

Hoher Anteil an Grünraum 

Das Besondere daran ist nicht nur der direkte Zugang zum Kurpark, sondern auch der hohe Anteil an Grünraum. Von einer Gesamtgrundstücksfläche von 1,5 Millionen Quadratmetern sind nur rund 400.000 Quadratmeter bebaut.

"Wir haben errechnet, dass etwa in der Hansson-Siedlung pro Bewohnerin, pro Bewohner 57 Quadratmeter öffentlicher Raum zur Verfügung steht. In dicht verbauten Gründerzeitvierteln in den inneren Bezirken, aber auch rund um den Gürtel sind es pro Person 16 Quadratmeter", sagt SPÖ-Wohnbaustadtrat Michael Ludwig.