Wien. "Ja, es gibt Verzögerungen. Ja, dieses Gebäude wird teurer", stellte Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger gleich vorweg klar. Dafür werde das Krankenhaus Nord aber "das modernste und beste Krankenhaus, das es in Europa gibt", sagte sie am Mittwoch in Rahmen einer Pressekonferenz, wo der vorläufig endgültige Fahrplan der Spitalseröffnung präsentiert wurde: Der erste Patient soll demnach im Juni 2019 behandelt werden, der Vollbetrieb soll Anfang September 2019 gewährleistet sein.

Der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) und damit auch die Stadt Wien sind in permanenter Erklärungsnot. Die angekündigten Termine der Fertigstellung des Spitals mit rund 785 Betten werden fast monatlich nach hinten verschoben. Anfang Dezember hieß es noch, dass das Spital bis spätestens Anfang 2019 in Betrieb gehen soll. Die "Wiener Zeitung" hat mit einem Lokalaugenschein bereits ausführlich berichtet. Doch dem ist nun nicht so.

Der KAV steht derzeit ohne Generaldirektor da. Bis ein neues KAV-Gesetz beschlossen wird, leiten interimistisch Evelyn Kölldorfer-Leitgeb, Direktorin für Organisationsentwicklung, Michael Binder, Direktor für die Geschäftsbereiche Health Care Management, und Herwig Wetzlinger, Direktor für Finanz, Recht, Einkauf, Nicht-klinischer-Bereich, die Geschäfte.

Wetzlinger, der erst im November als Leiter des Großprojekts ins Team geholt wurde, verschaffte sich in den vergangenen Wochen einen Überblick und verkündete am Mittwoch den Grund für die Verschiebung. Nach gründlicher Überlegung hätten er und sein Team entschieden, den baulichen, technischen und behördlichen Teil des Großprojekts von der medizinischen Inbetriebnahme zu entflechten. "Die Eröffnung des Spitals verschiebt sich damit um ein weiteres halbes Jahr", sagte Wetzlinger.

Übersiedelungen verschieben sich auch

Ursprünglich sei der Plan gewesen, die unterschiedlichen Inbetriebnahmen parallel laufen zu lassen. Wetzlinger, der bereits den Bau des Klinikum Klagenfurt von 2006 bis 2010 mitverantwortete, sah dies jedoch als problematisch an. So hat man sich laut KAV dazu entschieden, zunächst - im Jahr 2018 - die behördliche und technische Inbetriebnahme zu absolvieren und erst danach - im Jahr 2019 - mit den medizinischen Schulungen und den Übersiedelungen zu beginnen. "Wir haben was verschoben, aber mit dem Qualitätsanspruch, in kürzester Zeit in den Vollbetrieb zu gehen", so Wetzlinger. Innerhalb von drei Monaten, nachdem der erste Patient aufgenommen wurde, soll die volle Auslastung gegeben sein. Das sei "ein ehrgeiziges Ziel", sagte Frauenberger. Sie gehe aber davon aus, dass der Zeitplan diesmal halten werde.

Enge Kooperation mit AKH und MedUni Wien

Und damit auch ja nichts mehr schiefläuft - speziell in der Hochphase Sommer 2019 -, präsentierten Frauenberger und Wetzlinger einige Neuerungen. Die Bauherrenrolle soll mit der Einrichtung eines mit Experten besetzten Lenkungsausschusses in enger Kooperation mit dem AKH und der MedUni Wien gestärkt werden. Freilich auch im Hinblick auf den im März zu erwartenden Rechnungshofbericht, wonach die Bauherrenrolle des KAV heftig kritisiert worden sein soll. AKH-Direktor Wetzlinger wird daher gemeinsam mit dem technischen Direktor des AKH, Siegfried Gierlinger, den Ausschuss mit ihren Expertisen führen. Weiters beteiligt sind der KAV-Vorstand, die künftige kollegiale Führung des KH Nord, die Anfang nächsten Jahres bestellt wird, und Donauspital-Direktor Lothar Mayerhofer.

Die bauliche Fertigstellung des Hauses befinde sich jedenfalls im Plan und sei beinahe abgeschlossen, betonte Wetzlinger noch. Restarbeiten sowie Mängelbehebungen werde es aber auch im kommenden Jahr noch geben. Die 8000 Baumängel, die im Rohbericht des Rechnungshofs laut Medienberichten genannt werden, stellten bei einem Projekt dieser Größenordnung keine außergewöhnlich hohe Anzahl dar. "Das ist keine Zahl, die uns schreckt. Es gibt Großbauvorhaben, die bei 30.000 bis 40.000 Mängeln sind", meinte Wetzlinger. Entscheidend sei, dass die Unzulänglichkeiten rasch behoben würden.

Drei Spitalsstandorte, nämlich die Semmelweis-Klinik, das Orthopädische Krankenhaus Gersthof sowie das Krankenhaus Floridsdorf, werden komplett ins KH Nord wandern. Im Idealfall müsse kein einziger Patient aus einem anderen Krankenhaus überstellt werden, so der KH-Nord-Leiter, räumte aber auch gleich ein: "Idealfälle treten nie ein".

Die Opposition ist erzürnt und spricht von einem "Milliardengrab". Doch einer von der FPÖ geforderten Untersuchungskommission steht Stadträtin Frauenberger gelassen entgegen. "Wir sind darauf vorbereitet."