Wie das Miteinander funktionieren kann, zeigt Direktorin Elisabeth Kutzer (u. l.) an ihrer Schule in Ottakring. - © Diva Shukoor
Wie das Miteinander funktionieren kann, zeigt Direktorin Elisabeth Kutzer (u. l.) an ihrer Schule in Ottakring. - © Diva Shukoor

Wien. Am Montag starten die Schuleinschreibungstage in Wien. Obwohl jeder zweite Wiener bereits Migrationshintergrund hat, spiegelt sich die Durchmischung in den Wiener Schulen kaum wider. Wenn es um das eigene Kind geht, scheint die Toleranz doch noch oft Grenzen zu haben. Eltern, die ihre Kinder in national stark gemischte Klassen geben, sind nach wie vor die Ausnahme.

Eine Schule, die als Leuchtturmbeispiel genannt wird, ist die Volksschule Brüßlgasse im 16. Bezirk. Die Brennpunktschule hat sich zu einem Vorbild entwickelt - und das nicht ohne Grund. Mit 320 Kindern aus 30 verschiedenen Ländern schafft sie nicht nur den Unterricht nach Plan, sondern zeigt, wie man mit Engagement und differenzierter Methoden ein gutes Miteinander schafft.

"Welche Sprachen
sprecht ihr denn noch?"


"Welche Sprachen sprecht ihr denn noch?" Direktorin Elisabeth Kutzer steht in der 2C in ihrer Volksschule. Die Hände der Kinder schießen in die Höhe. "Polnisch", "Türkisch", "Mazedonisch", Serbisch", "Russisch", "Mongolisch", "Rumänisch", "Farsi", "Slowakisch" - die Augen der Kinder leuchten, während sie sich gegenseitig mit Sprachkenntnissen übertreffen. "Toll", sagt die Direktorin. "Englisch", schießt ein Bub nach. "Ja, Englisch, das sprechen wir alle", lachen Kutzer und die Klassenlehrerin.

Selbstverständlich sei die Sprache, in der unterrichtet und gelebt wird, Deutsch, so Kutzer. Kinder, die an diese Schule kommen und kaum bis gar kein Deutsch sprechen, würden mit gezielten Fördermaßnahmen schnell aufgefangen. Die Förderung findet in kleineren Gruppen statt. Während eine Klasse etwa gerade an einem mehrsprachigen Buch arbeitet, sind ein paar der Schüler für eine gewisse Zeit bei der Muttersprachenlehrerin in einem Kursraum einen Stock höher. Denn an dieser Schule wird mehrsprachige Alphabetisierung gelebt. "Nur wer seine Muttersprache grammatikalisch richtig spricht, lernt leicht Deutsch", ist Kutzer überzeugt.

Als Direktorin Kutzer im Jahr 2003 die mehr als 100 Jahre alte Schule übernahm, war sie in keinem guten Zustand. "Die Zeiten haben sich aber geändert", sagt sie zur "Wiener Zeitung". "Damals gab es viele Eltern mit nichtdeutscher Muttersprache, denen die Bildung ihrer Kinder egal war, heute gibt es noch immer viele auch hier in Ottakring, die nicht so gut deutsch sprechen, denen aber Bildung für ihre Kinder sehr wichtig ist."