apa/fpö/Robert Lizar
apa/fpö/Robert Lizar

Wien. Der Akademikerball sorgt seit Jahren für Proteste. Bis 2012 wurde er vom Wiener Korporationsring ausgerichtet, danach übernahm die Wiener FPÖ die Organisation. Auf dem Ball tummeln sich deutschnationale Burschenschaftler, neben prominenten Freiheitlichen waren in der Vergangenheit auch rechte Politiker aus Europa zu Gast. Rechtsextreme und Holocaust-Leugner würden in der Hofburg das Tanzbein schwingen, so der Vorwurf der Demonstranten.

Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl rechnete im Vorfeld mit wesentlich mehr Protesten als in den Vorjahren. So findet 2018 das zehnjährige "Jubiläum" der Proteste gegen den Ball statt. Auch sitzt die FPÖ nicht mehr auf der Oppositionsbank, sondern in der Regierung. Und Udo Landbauer, der niederösterreichische FPÖ-Spitzenkandidat für die Landtagswahlen, steckt in einem Antisemitismus-Skandal rund um ein Nazi-Liederbuch.

Landbauers Burschenschaft "Germania zu Wiener Neustadt" hatte 1997 ein Liederbuch mit rassistischen und antisemitischen Liedern herausgegeben, das den Holocaust verherrlicht. "Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million" heißt es darin etwa - die "Wiener Zeitung" hat berichtet. "Der spöttische Applaus für die Mordtaten des Holocaust offenbart ein Ausmaß an Menschenverachtung, dem sich unsere Gesellschaft entschieden entgegenstellen muss", erklärte Kardinal Christoph Schönborn.

FPÖ-Politiker Landbauer war bis Dienstag Vizeobmann der Germania. Einen Rücktritt schloss er aus - er habe von den Liedern nichts gewusst, gab er an. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt kündigte an, gegen unbekannt wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz zu ermitteln. Justizminister Josef Moser (ÖVP) versicherte am Freitag, dass die Justiz in der Causa frei von politischer Einflussnahme vorgehen werde.

Ermittlungsverfahren gegen vier Täter eingeleitet

Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt hat dann schließlich nach einem Zwischenbericht des Landesamtes Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung Niederösterreich gegen vier bekannte Personen, die für die Zusammenstellung und Illustration der sichergestellten Liederbücher der "Pennalen Burschenschaft Germania Wiener Neustadt" verantwortlich zeichneten, Ermittlungen eingeleitet. Ermittelt wird wegen des Verdachts nach §3g Verbotsgesetz.

Auch der freiheitliche Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache - er kündigte an, den Akademikerball besuchen zu wollen - geriet zuletzt in den Strudel des Skandals. Der "Spiegel" hatte am Donnerstag berichtet, dass Strache im Juni 2017 ein Fest zum 100-jährigen Bestehen der Burschenschaft Germania in Wiener Neustadt besucht haben soll. Das Magazin veröffentliche Fotos, auf denen Strache mit einer Burschenschafter-Kappe zu sehen. Strache ist Mitglied der Burschenschaft "Vandalia Wien".