Wien. (apa/dab) Ein Sachverhalt, drei Prozesse: Am Dienstag musste sich ein Mann bereits im dritten Prozess am Wiener Straflandesgericht wegen des Vorwurfs verantworten, er habe im Oktober 2016 in der Justizanstalt Josefstadt seine Zelle angezündet.

Beim ersten Prozess, bei dem der Mann "nur" wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung angeklagt war, hatte sich der Schöffensenat für unzuständig erklärt, da ein Mordvorsatz möglich schien. Im zweiten Prozess verneinten die Geschworenen jedoch den Tötungsvorsatz. Die Berufsrichter hielten das für ein Fehlurteil und setzten den Wahrspruch der Geschworenen aus. Damit musste der Prozess erneut wiederholt werden.

Der Angeklagte bestreitet weiterhin jeden Tötungsvorsatz, er habe niemanden verletzen wollen. Die Zelle habe ihm "einfach nicht gefallen", erklärte er zu seinem Motiv. Daher habe er seinen drei Mitgefangenen erklärt, er werde den Justizwachebeamten ein bisschen Angst einjagen und sein Bett anzünden. Damit habe er seine Verlegung in einen anderen Haftraum erzwingen wollen, nachdem eine entsprechende Bitte zuvor abgelehnt worden war.

Indem er seine Zellengenossen mit zwei gezückten Speisemessern bedrohte, verhinderte der Angeklagte deren Löschversuche. Erst durch die starke Rauchentwicklung und den späten Alarm, den ein anderer Insasse doch noch auszulösen vermochte, wurden Justizwachebeamte auf das Feuer aufmerksam. Die Betriebsfeuerwehr dämmte es ein.

Lebensgefährliche Verletzung


Die drei Mitgefangenen des Algeriers wurden schwer, einer sogar lebensgefährlich verletzt. Elf Justizwachebeamte mussten wegen Rauchgasvergiftungen behandelt werden. Die Zelle wurde zerstört. Sachschaden: 50.000 Euro.

Der Algerier, der seit 13 Jahren unter mehreren Alias-Namen illegal in Europa lebt, hatte sich in Schubhaft befunden, weil er nach drei rechtskräftigen Verurteilungen abgeschoben hätte werden sollen. Weil er im Polizeianhaltezentrum tobte, war er in die Justizanstalt überstellt worden.

Ein Urteil soll am Donnerstag fallen. Sollten die Geschworenen den Mordvorsatz wieder verneinen, kann der Wahrspruch nicht erneut aufgehoben werden.