Wien. In Hamburg und München sind berittene Polizisten bereits im Einsatz. Bald könnten sie auch das Stadtbild Wiens mitprägen. Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) hat am Wochenende angekündigt, einen Testbetrieb für eine Polizeipferdestaffel einführen zu wollen. Sollte sich ergeben, dass Kosten und Nutzen in einem guten Verhältnis stünden, sei es "durchaus möglich, dass wir in Bälde in Wien eine berittene Polizei haben", so Kickl.

Konkrete Details sind bisher noch nicht bekannt. Wie viele Pferde im Einsatz sein werden, wann das Projekt genau starten soll: Dazu äußerte man sich im Innenministerium am Montag auf Anfrage der "Wiener Zeitung" nicht. Ein Konzept wolle man aber bis zum Sommer 2018 erarbeiten, erklärte ein Sprecher des Innenministers. Bis dahin verschaffe man sich auch einen Überblick über berittene Polizeistaffeln in anderen Ländern.

Rosenheim-Cops

Gelegenheit dazu hat Kickl in Kürze. Er trifft am Donnerstag Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zu einem Antrittsbesuch in München. Nicht nur in der bayerischen Landeshauptstadt, auch in Rosenheim gibt es eine Polizeipferdestaffel. Der Reitertrupp in der Stadt, in der rund 60.000 Einwohner leben, besteht derzeit aus fünf Dienstpferden und Polizeibeamten.

Die Einsatzmöglichkeiten seien vielfältig, heißt es aus dem Polizeipräsidium Oberbayern Süd. So verwende man die Staffel im allgemeinen Streifendienst, wie etwa bei der Bekämpfung von Wohnungseinbrüchen in Siedlungen. Doch auch bei Demonstrationen, Sportveranstaltungen, Rockkonzerten, als auch bei der Bewachung des G7-Gipfels in Elmau habe man sie eingesetzt.

Zu den Kosten will sich das Polizeipräsidium nicht äußern. Der Einsatz rentiere sich jedoch. Die erhöhte Sitzposition sei von einem hohen einsatztaktischen Wert. "Die Größe und körperliche Präsenz der Pferde hat eine beachtlich präventive - sprich einschüchternde - Wirkung", heißt es zudem. Aufgrund der Imposanz der Vierbeiner würden Störenfriede immer wieder "freiwillig" von Auseinandersatzungen absehen. "Auch die Erfolge bei Vermisstensuchen im Gelände sind beeindruckend."

In Hamburg - das mit rund 1,7 Millionen Einwohnern etwa gleich viele Bewohner wie Wien hat - besteht die Reiterstaffel aus acht Pferden und zwölf Reitern. Auch in der Hansestadt setzt man sie insbesondere bei Großveranstaltungen und zur Bekämpfung von Gewalt im öffentlichen Raum an lokalen Brennpunkten ein.

Die Reiterstaffeln würden ein effektives und bewährtes Einsatzmittel darstellen, so der Hamburger Stadtsenat. Er verweist ebenso auf die deeskalierende und präventive Wirkung der Pferde. Die Anschaffung eines Pferdes mache 7000 Euro aus. Der Unterhalt eines Tieres verursache zudem Kosten in Höhe von rund 7000 Euro jährlich. Hinzu kämen noch die Ausgaben für die Ausbildung der Pferde und der Reiter.

Mehrere Vorbehalte

Zum Pilotbetrieb in Wien will sich die Landespolizeidirektion Wien nicht äußern. Laut einem Bericht des "Kurier" sollen Polizeivertreter das Projekt allerdings als nutzlos und zu teuer erachten.

Auch gibt es von einigen Seiten Vorbehalte aufgrund schlechter historischer Erfahrungen. Pferde sollen im Juli 1927 bei den Protesten gegen das Schattendorf-Urteil und dem Brand des Justizpalastes zur Eskalation der Lage beigetragen haben. 89 Tote waren zu beklagen.

Da die Pferde in ihrer Ausbildung auch an laute Geräusche und andere Reize gewöhnt werden müssen, wollen zudem Tierschützer das Projekt verhindern.

Aus monetären Gründen zeigte sich am Sonntag Markus Figl (ÖVP), Bezirksvorsteher der Inneren Stadt, skeptisch. Er befürchtet, dass die Pferde den Straßenbelag beschädigen und der Bezirk auf den hohen Reparaturkosten sitzen bleibt.

Der Kriminologe Christian Grafl empfiehlt, man solle "vor einer Einführung die erhofften Vorteile durch eine berittene Polizei genau definieren". Anschließend sei zu ermitteln: "Gibt es international bereits berittene Polizeieinheiten mit vergleichbaren Zielsetzungen? Können diese positive und evaluierte Erfahrungen, die nicht nur auf subjektiven Aussage einer Person beruhen, vorweisen?" Erst danach seien die Vor- und Nachteile und der Kostenaufwand zu überlegen.