"Wiener Zeitung": (aum) Was halten Sie von E-Sport?

Margarete Schramböck: E-Sport ist weltweit größer, als wir alle glauben. Es ist eine Bewegung, die hunderte Millionen Menschen betreiben. Aus meiner Sicht ist es eine wirkliche Sportart wie jede andere. Wer glaubt, das machen nur Kinder, irrt sich: Das Durchschnittsalter ist gar nicht so niedrig. Da sind Erwachsene Mitte 20, Mitte 30 oder über 40 auch mit dabei.

In Frankreich ist E-Sport quasi als Sport offiziell anerkannt. Eines der Wahlversprechen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel war, E-Sport zu einer offiziell anerkannten Sportart in Deutschland zu machen. Gibt es ähnliche Pläne für Österreich?

Wir stehen da sicherlich noch am Anfang. Mir ein Bild von der Situation zu machen, ist auch einer der Gründe, warum ich das E-Sports Festival besucht habe. Es ist sicherlich eine Überlegung, auf diesem Gebiet nachzuziehen, aber wir haben noch keine Entscheidung getroffen. Ich habe aber gehört, dass sogar das Internationale Olympische Komitee gerade überlegt, was es mit dem Thema E-Sport machen soll.

Was ist ihr Eindruck vom Electronic Sports Festival?

Für Österreich ist die Veranstaltung ein weiterer Schritt in Richtung digitale Welt. Wir brauchen die Digitalisierung beim Arbeiten und auch in der Freizeit. Ich habe hier ja beispielsweise die jungen Spieler von Rapid gesehen, die Fifa spielen. Ich bin sehr beeindruckt.

Sie haben selbst in einem Showmatch auf der Bühne gespielt. Wie war das für Sie?

Ja, wir haben Mario Kart gespielt. Das war sehr retro und hat mich an meine Jugend erinnert. Aber es hat sehr viel Spaß gemacht.

Sollten Kinder nicht lieber raus gehen und wirklich Fußball spielen?

Die Kombination ist wichtig. Es sollte nicht zu sehr überhandnehmen. Wenn ich das aber in die Berufswelt übertrage, dann ist es eine der wichtigsten Möglichkeiten, um digitales Know-how zu erlangen. Gerade da möchte ich die Eltern dazu animieren, sich das genau anzusehen. Denn Unternehmen brauchen Mitarbeiter im digitalen Bereich. Das ist auch eine gute Zukunftsperspektive für junge Menschen.

Deshalb sehe ich es auch als meine Aufgabe, die Lehrberufe zu durchforsten und neue Lehrberufe ins Leben zu rufen. Wir haben gerade den E-Commerce-Kaufmann geschaffen. Insgesamt gibt es 13 neue Lehrberufe auf diesem Gebiet. Auch für das Coding werden wir einen neuen Lehrberuf schaffen. Programmierung ist schließlich in jeder Branche gefragt: Im kleinen Handwerksunternehmen genauso wie in der Hotellerie, im Gaming- oder im Industrieunternehmen. Wir brauchen viel mehr ausgebildete Programmierer.

Wie schätzen Sie das Wirtschaftspotenzial von professionellem Computerspielen für Österreich ein?

International ist es ja sehr groß. In Österreich gibt es eine gute Szene und gute Unternehmen - Start-ups wie auch schon entwickelte Unternehmen. Mir ist der Anteil da noch zu gering. Es ist aber wichtig, dass man das Thema nicht auf Gaming reduziert. Wenn wir Magna, Voest oder Swarowski hernehmen, aber auch die kleinen Unternehmen Österreichs: Dort ist überall Programmieren gefragt. Egal, ob in der Produktentwicklung oder im Marketing: In allen Bereichen wird das Thema Programmierung immer wichtiger. Das sollte man genauso lernen wie lesen oder schreiben.