Wien. Dem neuen Wiener SPÖ-Parteichef und künftigen Bürgermeister Michael Ludwig kann es offensichtlich nicht schnell genug gehen: Am Wochenende hat er ein Alkoholverbot am Praterstern angekündigt - und bereits diese Woche Freitag soll es schon in Kraft treten. FPÖ und ÖVP jubeln, denn sie sehen damit jeweils "ihre" langjährige Forderung endlich erfüllt. Der grüne Koalitionspartner reagiert wiederum verschnupft und bezeichnet das Vorhaben als "populistische Scheinlösung". Von einer "reinen Showmaßnahme" sprechen auch die Neos.

Tatsächlich verlässt Ludwig mit seinem Vorstoß einmal mehr die ursprüngliche "alte" Linie seiner Partei. Zwar muss man fairerweise dazusagen, dass bereits Michael Häupl Ende des vergangenen Jahres gemeint hatte, er könne sich ein Alkoholverbot durchaus vorstellen. Dieses müsse aber noch "ordentlich diskutieren" werden, so Häupl. Aber mit dieser Einstellung war der Bürgermeister zumindest in der Stadtregierung damals noch relativ alleine.

Selbst der im August 2017 verstorbene Bezirksvorsteher der Leopoldstadt, Karlheinz Hora, sowie der Drogenkoordinator Michael Dressel hatten sich stets dezidiert gegen ein Alkoholverbot am Praterstern ausgesprochen. "Wenn Sie beispielsweise eine Wasserflasche am Praterstern trinken, wäre die Polizei dazu verpflichtet, den Inhalt der Flasche zu überprüfen. Jede einzelne Flasche, die am Praterstern getrunken wird, müsste überprüft werden. Dazu bräuchten wir 1000 Polizisten", meinte Hora.

Warum also nun die Eile, ein solches Verbot nun doch umzusetzen? Insider sind sich einig: "Ludwig wird am 24. Mai im Gemeinderat zum Bürgermeister gewählt. Und dafür braucht er auch Stimmen von FPÖ und ÖVP - da kommt ihm das Alkoholverbot gerade recht." Ohne die Stimmen der Opposition könnte es für Ludwig eng werden: Er kann sich nicht sicher sein, dass die gesamte Wiener SPÖ geschlossen hinter ihm steht - und was die Grünen betrifft, schon gar nicht.

Kein Verkaufsverbot

Was hat es mit dem Verbot nun konkret auf sich? Mit der Maßnahme will Ludwig die Situation am Verkehrsknotenpunkt Praterstern, der ein Kriminalitätshotspot und Treffpunkt der Suchtgift- und Alkoholikerszene ist, verbessern. In Kraft gesetzt wird das Verbot mittels einer ortspolizeilichen Verordnung. Ab Freitag darf an unmittelbar an den Bahnhof angrenzenden Flächen Alkohol außerhalb der gastronomischen Betriebe nicht mehr getrunken werden. Umfasst sind etwa die Venediger Au und ein Teil der Lassallestraße. Die Kaiserwiese im Prater ist nicht betroffen. Ein Verkaufsverbot wird es nicht geben.