Wien. Halb sechs Uhr morgens auf der Kärntner Straße. In ein paar Stunden wird sich die Fußgängerzone mit Touristen füllen, doch um diese Zeit ist noch kein Mensch unterwegs. Andreas Kurz ist dagegen schon seit mehr als einer Stunde auf den Beinen. Um vier Uhr zwanzig läutet von Montag bis Freitag der Wecker, damit der sportliche 46-Jährige noch genug Zeit hat, um mit dem Rad von seiner Wohnung nahe den Steinhofgründen bis in die Unterkunft der MA48 in der Johannesgasse zu fahren. Dort bleibt ihm eine halbe Stunde, um "das Orangene" anzuziehen und noch einen Kaffee zu trinken. "Früher, als ich noch jung war, war ich immer erst auf den letzten Drücker in der Unterkunft. Aber heute stehe ich lieber stressfrei auf und gehe dafür schon zwischen acht und neun ins Bett."

Stiege rauf, Stiege runter


Um sechs Uhr beginnt die Schicht von Andreas Kurz und seinen Kollegen. Die Müllaufleger für den Restmüll des ersten und teilweise auch sechsten Bezirks sind in einem sogenannten Fünf-Mann-Zug unterwegs, in dem die Rollen klar verteilt sind. Zwei Männer sind die Vorträger, das bedeutet, sie holen die Mülltonnen aus den Häusern auf die Straße. Dann kommt das Müllauto mit dem Kipper, der für die reibungslose Entleerung der Tonnen zuständig ist. Am Ende haben die zwei Leerträger die Aufgabe, die leeren Gefäße, wie die Mülltonnen im Fachjargon genannt werden, wieder in die Häuser zu bringen.

Täglich werden die Rollen gewechselt, heute ist Andreas Kurz Kipper. Die erste halbe Stunde helfen alle zusammen, möglichst viele Mülltonnen auf die Straße zu bringen, bevor das Müllauto eintrifft. Denn das ist in den engen Altbauten gar nicht so einfach. Ein paar Stufen hinauf, dann eine Wendeltreppe hinunter, einmal rechts, zwei mal links und irgendwann steht man im Müllhof - ein typisches Szenario.

Andreas Kurz und seine Kollegen kennen "ihre" Häuser mittlerweile auswendig, wissen genau, wo es vielleicht einen Lift oder einen Hintereingang gibt. Doch meistens führt kein Weg daran vorbei, die Gefäße über die Stiegen zu schleppen. Immer zwei Tonnen auf einmal tragen die Männer in der Dämmerung ins Freie, in Summe also 50 bis 80 Kilogramm, wenn die Tonnen gut gefüllt sind. Für die großen Container, die bis zu 200 Kilogramm schwer sein können, braucht es zwei Träger.

"Am Anfang hatte ich von oben bis unten blaue Flecken, da waren die ja auch noch aus Eisen. Es dauert schon ein bisschen, bis man die richtige Technik heraußen hat", erzählt Kurz. Vor 23 Jahren hat der gelernte Automechaniker bei der Müllabfuhr angeheuert: "Ich wollte etwas im Freien machen, am besten mit Bewegung. Regentage gehen vorbei, dann ist man halt einmal nass. Wer damit ein Problem hat, für den ist es der falsche Beruf".