Wien. Mit Ernst Woller (64) übernimmt ein Politiker mit jahrzehntelanger Stadtparlamentserfahrung die Funktion des Landtagspräsidenten. Der 64-Jährige löst Harry Kopietz ab. Woller ist - mit kurzzeitiger Unterbrechung - seit 1988 im Wiener Gemeinderat und Landtag vertreten. Zuletzt war er Kultursprecher der SPÖ - und wurde nicht zuletzt deshalb auch als möglicher neuer Kulturstadtrat gehandelt.

Woller, geboren am 2. März 1954, wuchs im Bezirk Landstraße auf und hat dort immer noch seine politische Heimat. Gerade einmal Teenager, dockte er bereits 1967 als 13-Jähriger bei der Sozialistischen Jugend an. Ab 1978 war er zehn Jahre lang Bezirksrat, parallel dazu studierte er Informatik und Rechentechnik an der TU und anschließend Politikwissenschaft und Pädagogik an der Uni Wien, wobei er letzteres vor Fertigstellung der Dissertation abbrach.

1988 wechselte Woller ins Rathaus und blieb dort bis dato Mandatar. Lediglich in den Jahren von 1991 bis 1993 nahm er eine kurze Auszeit vom Stadtparlament und gab ein Gastspiel im Bundesrat. Seit seiner Rückkehr in den Gemeinderat und Landtag ist er Ausschussvorsitzender für Kultur und Wissenschaft. Mit knapp vier Jahrzehnten als Gemeinderat ist er derzeit Wiens längst dienender Mandatar.

Als roter Kultursprecher war Woller nicht immer einer Meinung mit dem scheidenden Ressortchef Andreas Mailath-Pokorny - etwa in der Standortfrage für das neue bzw. erweiterte Wien Museum. Favorisierte Mailath-Pokorny ursprünglich einen Neubau in Favoriten, schlug sich Woller auf die Seite jener, die das Ausstellungshaus am Karlsplatz belassen wollte und sich letztendlich durchgesetzt hat. Woller, der verheiratet ist und drei Söhne sowie zwei Töchter hat, gehörte außerdem zu jener Gruppe von Genossen, die im Zuge der internen SPÖ-Querelen recht schnell die Nachfolge-Frage rund um Stadtchef Michael Häupl geregelt wissen wollte und sich dabei gleichzeitig für Ludwig stark machte.