Wien. (dab) Die Wiener Innenstadt wird vorerst ihren Weltkulturerbestatus behalten. Zwar bleibt das historische Zentrum weiterhin auf der "Roten Liste" der gefährdeten Stätten - eine Aberkennung bei der diesjährigen Unesco-Sitzung in Bahrain droht allerdings nicht. Das sieht zumindest der entsprechende Entscheidungsentwurf vor, gab die Unesco am Mittwoch in einer Presseaussendung bekannt.

Die Unesco-Sitzung startet am 24. Juni, voraussichtlich am 26. Juni wird Wien auf der Tagesordnung stehen. Im Entwurf für die Sitzung werden die von der schwarz-blauen Bundesregierung - sie ist der offizielle Ansprechpartner der Unesco - in die Wege geleiteten Maßnahmen anerkannt, heißt es. Die Bundesregierung hatte im Februar 2018 angekündigt, alle möglichen (rechtlichen) Schritte ergreifen zu wollen, um den Weltkulturerbestatus für das historische Zentrum zu erhalten.

Kritik an Stadtentwicklung,
Deadline bis Februar 2019


Zugleich hielt die Unesco aber auch fest, dass unter anderem die Bedenken um das Bauprojekt am Heumarkt aufrecht bleiben. Der Unesco ist vor allem der geplante 66 Meter hohe Wohnturm ein Dorn im Auge. Er dürfte nach den geltenden Vereinbarungen mit der Unesco höchstens 43 Meter groß sein. Aber auch die "für das Welterbe abträgliche Stadtentwicklung" durch die zunehmende Verdichtung, den Ausbau zahlreicher Dachbauten und umstrittene Bauprojekte wie das Belvederestöckl werden von der Unesco kritisiert.

Die Nichtaberkennung in diesem Jahr ist als zweite Chance zu verstehen: "Die Bundesregierung hat einen Aufschub erwirkt", erklärte Gabriele Eschig, Generalsekretärin der österreichischen Unesco-Kommission. Das nächste entscheidende Datum ist der 1. Februar 2019. Bis dahin muss Österreich über getroffene oder möglicherweise geplante Abänderungen im Zusammenhang mit dem Weltkulturerbe Bericht erstatten.

Rechtliche Maßnahmen fraglich, Mission im Herbst 2018


Fraglich erscheint allerdings, welche konkreten Maßnahmen bezüglich des Heumarkt-Projekts noch zu einer gütlichen Lösung führen werden: Die Flächenwidmung für das Bauprojekt wurde im vergangenen Jahr im Gemeinderat beschlossen. Von rechtlicher Seite steht noch der Gang zum Verfassungsgerichtshof offen, wobei die Erfolgschancen unklar sind.

Eine mit der Bundesregierung vereinbarte Maßnahme der Unesco ist die Abhaltung einer offiziellen "Monitoring-Mission" in Wien. Diese ist laut Unesco für Herbst 2018 geplant. Das historische Zentrum bleibt bis dahin jedenfalls als gefährdet eingestuft auf der Roten Liste.

Wissen

Das Welterbekomitee setzt sich aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen. Es entscheidet jährlich über die Neuaufnahme von Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit dem Erhaltungszustand der eingeschriebenen Stätten. Auch gefährdete Stätten, die sich nahezu nur in Kriegs- und Katastrophengebieten befinden, stehen im Fokus. Auf der Unesco-Welterbe-Liste stehen derzeit 1073 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern. Kriterium für die Anerkennung als Unesco-Welterbe ist der außergewöhnliche universelle Wert der Stätte.