In den Beschlüssen aus 2017 und 2018 wird der Heumarkt-Turm kritisch beäugt und auf die Forderungen des Komitees aus der Sitzung 2016 Bezug genommen. Darin wird etwa eine Höhenreduktion und Reduzierung des visuellen Einflusses des Gebäudes auf den urbanen Kontext und die Sicht auf das historische Zentrum eingemahnt.

Konkrete Planungsänderungen beim Heumarkt sind derzeit aber nicht bekannt. Im Welterbezentrum in Paris zeigt man sich abwartend - mit Verweis auf die nächsten formalen Schritte und neuen Einschätzungen der Gutachter zur Causa Wien, die in den nächsten Monaten folgen werden.

Der Plan

Konkrete Fortschritte könnte es in einem anderen Punkt geben: In den Beschlüssen wird mehrfach kritisiert, dass es Wien an Kontrollinstrumenten und Regeln für den Umgang mit seinem Welterbe mangle. Nicht effektiv genug seien die Steuerungsmöglichkeiten der Stadtregierung.

Management-Pläne, wie mit dem Weltkulturerbe umgegangen wird, sind für Welterbestätten eigentlich unabdingbar. Wien hatte bisher aber keinen solchen Plan. Woller will dieses Versäumnis beseitigen, derzeit erarbeite man einen solchen Plan. Alle entsprechenden Planungsinstrumente, Richtlinien und Gesetze sollen darin festgehalten werden. Unter anderem mit diesem Plan will er die Unesco überzeugen, Wien von der Roten Liste zu nehmen.

Skeptisch zeigt sich Gabriele Eschig, die Generalsekretärin der österreichischen Unesco-Kommission, welche die nationale Verbindungs- und Koordinierungsstelle zur Unesco-Hauptorganisation in Paris ist.

"Ein Schandfleck"

"Man kommt nicht von der Roten Liste, indem man nichts tut", sagt Eschig. Es brauche eine grundlegende Neukonzeption des Bauprojekts. Beim Welterbe gehe es um "die Erhaltung des außergewöhnlichen universellen Werts", erklärt sie. Im Falle Wiens bestehe dieser aus der Geschlossenheit der historischen Bebauung aus dem zweiten Jahrtausend im Mittelalter, dem Barock und der Gründerzeit. Der Heumarkt-Turm gefährde diesen Wert.

Dass die Unesco dieses Mal noch ein Auge zudrückt, wenn Wien verspricht, künftig keine solchen Hochhausbauten mehr zuzulassen, hält sie für "sehr unwahrscheinlich". "Jetzt zu sagen: ‚Wir setzen da in die Kernzone ein Hochhaus, nehmt es nicht so schlimm, wir machen es nicht mehr‘, funktioniert nicht."

Woller kann die Aufregung nicht nachvollziehen. "Nur, weil da jetzt ein Haus steht oder ein Blick nicht so ist, wie man sich das jetzt vorstellt, wird das Welterbe Wiens nicht zerstört", sagt er. Vielmehr werte der Turm das derzeitige Heumarkt-Areal, das derzeit "ein Schandfleck ist", auf.

Die Welterbezone in Wien sei riesig und werde sicherlich nicht durch "eine einzige punktuelle Maßnahme" beeinträchtigt. Das Projekt gehöre einem privaten Investor, der Gemeinderat hat im Juni 2017 den entsprechenden Flächenwidmungsplan beschlossen. "Das ist eine Rechtsgrundlage, die gilt", so Woller. Daher könne man jetzt nicht verlangen, dass das Projekt überarbeitet gehört.