Diskussion um Grenzen

Als mögliche Lösung bringt Woller eine "minimale Begradigung" der Welterbezone ins Spiel. Der Teil um den Heumarkt könnte aus der Kernzone entfernt werden: "Wenn das die Lösung ist, wäre das für uns akzeptabel". Die Grenzen sieht er nicht in Stein gemeißelt. Über Modifikationen könne diskutiert werden.

"In Wien ist die ganze Innenstadt Weltkulturerbe", sagt er. In London sei es nur der Big Ben und der Tower of London. "In London kann man bauen, was man will, solange man nicht die Tower Bridge sprengt." Einen solchen Zustand wolle er für Wien nicht, aber: "Wir täten uns leichter, wenn der Stephansplatz und das Ensemble rund um den Ring Weltkulturerbe wäre".

Eschig hält davon wenig. Denn eine Modifikation der Zone sei nur dann möglich, wenn dadurch das Welterbe besser geschützt werden könne. Die Meinungen zwischen der Stadtregierung und der österreichischen Unesco-Kommission liegen damit weiter auseinander. Woller betont aber: "Unser Verhandlungspartner ist die Unesco in Paris".

Ob sein Optimismus gerechtfertigt ist, wird sich nun in den kommenden Monaten zeigen. Dann sollten weitere formelle Schritte in der Causa mehr Klarheit bringen. Drei externe Experten für Stadtbau- und Stadtplanung haben sich im März 2018 bereits ein Bild gemacht. Sie waren im Rahmen eines Experten-Workshops in Wien. Dieser vom Bundeskanzleramt organisierte Workshop war die erste Stufe des Drei-Stufen-Plans der Bundesregierung, der den Erhalt der Welterbestätte Wien garantieren soll. Der Plan wurde von der Unesco positiv aufgenommen.

Gutachten eher negativ

Die drei Experten haben ihre Eindrücke in Gutachten zusammengefasst. Ein Blick in die - online frei verfügbaren Papiere - offenbart ein überwiegend negatives Bild. Gutachterin Birgitta Ringbeck kritisiert, dass durch bisherige Hochhausbauten außerhalb der Welterbezone - wie etwa dem Uniqua-Tower und dem Sofitel Vienna Stephansdom - bereits die historische Skyline Wiens negativ beeinflusst worden sei. Dieser Trend werde nun durch den Heumarkt-Turm in der Welterbezone selbst fortgesetzt. Dadurch sei die Welterbestätte insgesamt in Bestand und Wertigkeit gefährdet.

Gutachter Vittorio Magnago Lampugnani räumt ein, dass das Heumarkt-Areal vernachlässigt worden und eine Neugestaltung zu begrüßen sei. Das Projekt sei aufgrund seiner Höhe problematisch, die Dimension des Turms bezeichnet er als "traumatisch". Auch er hält die Welterbestätte Wien dadurch für gefährdet und plädiert für eine Überarbeitung "von Grund auf". Positiver ist Expertin Christa Reicher eingestellt, sie begrüßt das Projekt größtenteils, auch wenn sie etwa eine "Justierung der Höhenentwicklung" für notwendig erachtet. Das Welterbe Wiens sei nicht bedroht.