Besuch im November

Woller meint, dass die Gutachten nur "informelle Stellungnahmen" seien, die vorbereitende Bedeutung haben. Entscheidend sei das "Heritage Impact Assessment", das der zweite Schritt des Drei-Stufen-Plans ist. Der Bericht wird von einem deutschen Experten erstellt und beschäftigt sich mit dem Erhaltungszustand des Wiener Welterbes. Allerdings werden darin auch die Ergebnisse aus den drei Gutachten einfließen.

Es folgt ein Besuch von Fachmännern der Icomos im November. Unter Berücksichtigung der Gutachten und des "Heritage Impact Assessments" werden die Icomos-Experten dann urteilen, ob Wiens Weltkulturerbe noch seinen außergewöhnlichen universellen Wert besitzt.

Dieser Icomos-Bericht wird die Grundlage für die Beschlussfassung des Welterbekomitees in der Sitzung 2019 sein. Zudem muss die Republik Österreich der Unesco über alle getroffenen und geplanten Maßnahmen und Veränderungen hinsichtlich des Welterbes bis April 2019 berichten.

Die Rote Liste

Auf der Welterbeliste befinden sich derzeit weltweit 1.092 Natur- und Kulturstätten aus 167 Staaten. 54 Stätten stehen auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes, der ganz überwiegende Teil davon befindet sich in Kriegs- oder sonstigen Katastrophengebieten. "Kaum ein Staat, in dem Frieden herrscht, der reich ist und alle Mittel hätte, die selbstauferlegten Anforderungen zu erfüllen, steht auf der Roten Liste", sagt Eschig. Eine ähnliche Situation wie in Wien gibt es nur in Liverpool, dessen Hafenstadt seit 2012 wegen eines Hochhaus-Projekts auf der Roten Liste steht. Ihren Status haben erst zwei Stätten verloren: Ein Naturschutzgebiet im Oman, weil dort Öl gefördert wurde und das Elbtal in Dresden wegen der umstrittenen Waldschlösschen-Brücke.