Wien. "Für viele Wiener diente die Tram früher nicht als Beförderungsmittel in die Arbeit, sondern zum Vergnügen am Wochenende", erklärt der Historiker und Zauberkünstler Robert Kaldy-Karo, "denn Arbeitsstelle und Wohnung lagen meist nebeneinander oder übereinander, auf jeden Fall in Gehweite. Deshalb fuhren die ersten öffentlichen Verkehrsmittel auch in Erholungsgebiete, wie z.B. nach Döbling mit den Heurigen oder in die Leopoldstadt mit dem Wurstelprater." Kaldy-Karo steht gerade beim Würstelstand am Pratereingang und nimmt sich eine Käsekrainer vor. Währenddessen deutet er auf die Ausstellungsstraße: "Da sind früher die Pferde der Tramway vorbeigetrabt, während die Menschen aus dem Circus Busch geströmt sind."

Bevor die Tram als Massenverkehrsmittel zum regelmäßigen Einsatz gekommen ist, gab es im Prater immer wieder nicht alltägliche Fahrgelegenheiten, meistens im Zusammenspiel mit Messen oder großen Industrie-Ausstellungen. "Ihre Vorläufer waren Feldbahnen, die sich unter anderem reiche englische Gutsbesitzer auf ihren Besitztümern bauen ließen", erzählt Kaldy-Karo. "Das erste Eisenbahn-Projekt bei uns war mehr zum Bestaunen gedacht, was die Wiener auch gerne taten."

Franz Anton von Gerstner errichtete 1823/24 am Praterstern, am Rande des Praters eine 227,5 Meter lange Probestrecke mit Holzschienen für Pferdebetrieb. Die Anlage diente als Schauobjekt, um Geldgeber für die erste österreichische Pferdebahn von Linz nach Budweis zu finden. Die Genehmigung dafür erhielt Gerstner ein Jahr später. 1834 wurde im Prater eine kurze Versuchsstrecke gebaut, auf der ein Dampfomnibus fuhr. Die Errichtung der ersten Eisenbahnstrecke der Monarchie 1838 von Wien nach Wagram beflügelte die Fantasie der Wiener und der Praterunternehmer.

1840 kaufte der Zauberkünstler Basilio Calafati das Ringelspiel "Zum schwarzen Rössl" und modernisierte es in den folgenden Jahren. Nicht nur wurde es bald mit Dampf betrieben, sondern montierte Calafati neben seinen schwarzen und weißen Holzpferden auch zwei damals futuristisch anmutende Lokomotiven: eine mit dem Namen Hellas, die er auf Nanking umtaufte, die zweite nannte er Peking. Später wurde die Mittelsäule in Form eines asiatischen Amtsträgers mit stolzem Blick umgebaut, von woher sich der Name des legendären Karussells "Zum großen Chineser" herleitet. Zu jener Zeit wurde noch ein weiteres Eisenbahn-Ringelspiel im Prater eröffnet, das sich in der Hütte "Zum goldenen Löwen" befand.