Wien. (rös) Nach Inkrafttreten strengerer Regeln für den Abriss von Gründerzeithäuser hat Wien seit Anfang Juli rund 80 Abbrüche von Gebäuden gestoppt - die "Wiener Zeitung" hat berichtet. Sie wurden bis jetzt von der zuständigen MA 19 (Architektur und Stadtgestaltung) überprüft.

Am Montag lag schließlich das Ergebnis vor: 22 der bisher unter die Lupe genommenen Häuser wurden als erhaltenswürdig eingestuft. Für 28 Häuser gab es die endgültige Abriss-Freigabe, wie der Leiter der MA 37 (Baupolizei), Gerhard Cech, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" am Montag erklärte. Bei rund 30 wurde schon so viel zerstört, dass über die Baustelle nicht einmal mehr ein Baustopp verhängt werden konnte.

Gleichmäßig auf Wien verteilt


Die überprüften Baustellen seien über die ganze Stadt verteilt. "Rund um den Gürtel sind viele, aber auch in den Randbezirken und über der Donau wurden viele Gebäude überprüft", erklärte Cech. Ausgenommen sei natürlich der 1. Bezirk gewesen, weil dieser ohnehin als Schutzzone deklariert sei. Erhalten werden sollen unter anderen die Schokoladenfabrik Viktor Schmidt & Söhne in der Geiselbergstraße, eine vollständig erhaltene Wienerwald-Villa im 14. Bezirk oder die einstige k.u.k. Sicherheitswache in der Schüttelstraße.

Ursprünglich war von insgesamt 25 schützenswerten Gebäude die Rede gewesen, "die MA 19 hat sich das aber dann noch genauer angesehen und ist zu dem Schluss gekommen, dass noch nicht alle vom Ortsbildschutz her als erhaltenswert eingestuft werden müssen. Die 22 Gebäude sind nun der Letztstand", so Cech.

Dass sich das die Eigentümer nicht gefallen lassen wollen, ist nachvollziehbar. Alle Baueinstellungen sind ausnahmslos rechtlich bekämpft worden. "Das ist jetzt alles beim Verwaltungsgericht anhängig und wird auch dort entschieden", so der Chef der Baupolizei.

Last-Minute-Abrisse


Kurz vor Inkrafttreten der strengeren Regeln für den Abriss gab es noch viele Last-Minute-Abbrüche. Betroffen waren davon etwa ein Gebäude in der Heigerleinstraße in Ottakring, nur knapp 150 Meter von einem bestehenden Schutzzonengebiet entfernt, oder das Biedermeier-Haus in der Karolinengasse auf der Wieden, in dem das Restaurant Sperl untergebracht war. Das Traditionsgasthaus weicht nun einem mehrstöckigen Wohnbau.

Mit der Bauordnungsnovelle wollte man gegen Immobilienspekulanten vorgehen und Gründerzeithäuser schützen. Um Last-Minute-Abrissen entgegenzuwirken, wurde der Beschluss der Novelle von November auf Juli vorgezogen. Für manche Gebäude kam er dennoch zu spät.