Der Dom ist bereit für die 5. Diözesanversammlung. - © Erzdiözese Wien/Angela Ringhofer
Der Dom ist bereit für die 5. Diözesanversammlung. - © Erzdiözese Wien/Angela Ringhofer

Wien. Wachstum und Erneuerung - diese beiden Begriffe stehen als Leitmotive über am Donnerstag beginnenden 5. Diözesanversammlung der Erzdiözese Wien. Bis Samstag kommen im Stephansdom rund 1700 Delegierte aus den 637 Pfarren, den Orden, den anderssprachigen Gemeinden, verschiedenen Gemeinschaften und Bewegungen, der Caritas und den Dienststellen der Diözese zusammen. Im Zentrum stehen Gespräche über die laufende Strukturreform mit 140 Entwicklungsräumen sowie die Themen "Jüngerschaft und Mission".

Mit Blick auf den Diözesanen Entwicklungsprozess APG2.1, den Erzbischof Christoph Schönborn 2008 gestartet hat, soll die Diözesanversammlung dem Erfahrungsaustausch samt "Best Practice"-Workshops dienen. "Es ist Zeit gemeinsam hinzuschauen: Was bleibt? Was verändert sich? Wo stehen wir? Was steht an?", so Kardinal Schönborn.

Die Strukturreform ist in vollem Gange: Seit November 2015 wurden in 12 Entwicklungsräumen Pfarren zusammengelegt ("Pfarre Neu" mit einem Pfarrer und mehreren Teilgemeinden), in weiteren 24 bestehen Pfarrverbände, und in 25 sind Seelsorgeräume (selbständige Pfarren mit eigenen Pfarrern, von denen einer den Seelsorgeraum leitet) entstanden. Nun wird der Fokus auf die spirituelle Erneuerung gelegt, der die neuen Strukturen dienen sollen. Oder wie es Weihbischof Stefan Turnovsky formuliert: "Das zentrale Thema ist Jüngerschaft - ein sperriges Wort, das die tiefe persönliche Beziehung zur Person Jesu Christi meint. Freundschaft mit Jesus als Grundlage für ein frohes, echtes und ehrliches Christsein, 24 Stunden lang, 7 Tage die Woche, aus einem inneren Bedürfnis heraus - das erneuert die Kirche und darüber hinaus die ganze Welt." Das passende Transparent dazu hängt an der Außenfassade des Doms: "Hier wird man jünger." Die zweideutige Botschaft weist genauso auf die Erneuerung wie auf die Jüngerschaft hin.

WLAN im Stephansdom

Im Zuge der Diözesanversammlung gibt es auch drei öffentliche Termine mit dem Erzbischof: zwei Heilige Messen im Dom (Freitag, 8.30 Uhr und Samstag, 11 Uhr) sowie einen ökumenischen Gebetsabend (Freitag, 20 Uhr). Auch sonst ist den Verantwortlichen ein offener Dialog wichtig. So gibt es neben den diversen Workshops, in denen in Grüppchen diskutiert werden kann, auch ein "offenes Mikro", um der Kirchenbasis mehr Mitsprache zu ermöglichen. "Und wir setzen heuer auch erstmals Mentimeter ein - ein Echtzeit-Befragungstool per Smartphone. Wir haben eigens dafür WLAN in den Dom gebracht", erzählt Turnovsky.

Was die höheren Ebenen betrifft, so ist für den Weihbischof eine zentrale Erfahrung der bisherigen Strukturreform, "dass es entscheidend ist, wie Leitungsteams gebildet und begleitet werden". Daher investiere die Erzdiözese verstärkt in diesen Bereich. "Dort, wo gute Teams unterwegs sind und gemeinsamen versuchen, einen Weg der Jüngerschaft zu gehen, dort passiert ungeheuer viel. Da öffnen sich die Kirchentüren fast wie von alleine, und die Gemeinden bekommen Freude an Zusammenarbeit."

Sorgen macht der katholischen Kirche allerdings ein bisschen der Nachwuchs in den Pfarren. Denn es werden zwar immer noch viele Kinder getauft, zur Erstkommunion kommen aber dann nicht mehr alle, bei der Firmung sind es dann noch weniger, und die Zahl jener, die danach der Pfarrgemeinde erhalten bleiben, ist überhaupt oft nur an einer Hand abzuzählen. Die Junge Kirche sucht deshalb nun mittels großangelegter Studie, Verbesserungsmöglichkeiten für die Vorbereitung auf die Sakramente für Kinder und Jugendliche. Auch darüber wird sicher in den kommenden Tagen im Dom gesprochen.

Die Väter in den Blick nehmen

Den Anfang hat ein Tag für alle rund 1500 Religionslehrerinnen und Religionslehrer der Erzdiözese am Mittwoch gemacht. Dabei gab es auch eine Podiumsdiskussion mit Bildungsminister Heinz Faßmann. Weihbischof Turnovsky meint zum Thema Kinder- und Jugendpastoral: "Meine Erfahrung ist, dass sie von gläubigen Bezugspersonen lebt. Wo sich junge Menschen gut aufgehoben wissen, wertgeschätzt fühlen und authentischen Glaubenszeugen - ob Laien oder Priestern - begegnen, sind sie sehr offen für Glaubensinhalte. Wenn man über die Kinder hinaus ganze Familien begeistern will, dann muss man allerdings auch die Eltern involvieren." Er rät deshalb, neben den Kindern auch deren Eltern - und ganz besonders die Väter - in den Blick zu nehmen.