Elder Weisler und Elder Konietz dürfen bald wieder nach Hause. Kraxner - © Felix Kraxner
Elder Weisler und Elder Konietz dürfen bald wieder nach Hause. Kraxner - © Felix Kraxner

Wien. Noch ein paar Wochen. Dann fliegt Elder Weisler wieder nach Hause. "Als gemachter und reifer Mann", sagt er lächelnd und mit leicht erkennbarem amerikanischem Akzent. Fast zwei Jahre ist es her, als der US-Amerikaner mit Spannung einen Brief aus Salt Lake City erwartete. Mit dem Brief kam nämlich ein Auftrag. Als Missionar der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage", besser bekannt als Mormonen, soll er mit Menschen in Österreich das Gespräch über Gott suchen und seinen Glauben in die Welt hinaustragen.

Die Mitglieder der Kirche wollen im Übrigen nicht mehr als Mormonen bezeichnet werden. Der Grund dafür: Präsident Russel M. Nelson, das Kirchenoberhaupt und lebender Prophet, hatte kürzlich eine Offenbarung. Die Bezeichnung "Mormonen" sei nicht mehr "autorisiert".

Zuerst wurde Elder Weisler in die Schweiz geschickt. Die restliche Zeit seiner Mission verbringt er nun in Wien. Hier traf er auf Elder Konietz, ein Deutscher, der mit seinen Eltern nach Kanada auswanderte. Die beiden leben gemeinsam in einer Wohnung, die von der Kirchengemeinde zur Verfügung gestellt wird.

In Wien gibt es fünf Gemeinden der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage". Österreichweit sind es 17. Während der Tätigkeit als Missionar, wird der Vorname durch ein "Elder" ersetzt. Das bedeutet so viel wie "Kirchenältester" - obwohl ein Großteil der Missionare gerade einmal Anfang 20 ist.

Weltweit 80.000 Missionare


Bis 25 wird es den Mitgliedern der Kirche nahegelegt, in einem fremden Land zu missionieren. Das Land selber kann nicht ausgesucht werden. In Salt Lake City, dem Hauptquartier der Kirche, wird entschieden, wohin die mehr als 80.000 Missionare weltweit entsandt werden. Die Missionsarbeit wird im Team erledigt.

Untereinander sprechen sich Elder Weisler und Elder Konietz auch nicht mit dem Vornamen an. Der Vorname ist aber nicht das Einzige, auf das in den zwei Jahren auf Mission - und auch sonst - verzichtet wird. Kein Alkohol, keine Zigaretten oder sonstige Suchtmittel. Nicht einmal Kaffee oder schwarzen Tee konsumieren die Missionare. Sex vor der Ehe ist genauso tabu wie Liebesbeziehungen während der Tätigkeit als Missionar. "Vor der Mission wusste ich, dass ich Opfer bringen muss. Keiner hat gesagt, es wird leicht. Jetzt muss ich die Arbeit für den Herrn machen. Das Gebet hilft mir dabei", sagt Konietz.

Die "Arbeit für den Herrn" beginnt um 6.30 Uhr. Pünktlich aufstehen, dann wird gebetet. Nach dem Gebet machen die Missionare Frühsport. "Damit wir ordentlich fit bleiben", sagt Weisler. Fitnessübungen und ein kräftiges Frühstück werden benötigt, wenn man einen Blick auf den weiteren Tagesverlauf der Missionare wirft. Bis etwa 10 Uhr wird studiert, also im Buch Mormon, das inhaltlich vergleichbar mit der Bibel ist, gelesen. Danach tauschen sich die Missionare über das Erlernte aus. Anschließend geht es an die eigentliche Arbeit. Es wird missioniert. Mitunter bis 21.30 Uhr sind sie im Auftrag Gottes unterwegs. Sie sprechen Menschen in Fußgängerzonen an oder machen private Hausbesuche. Um 22.30 Uhr gehen sie zu Bett. Und das für sieben Tage die Woche, für zwei Jahre. Ein kräftezehrender Vollzeitjob. Der "freie" Tag ist der Dienstag. Da bereiten sich die Missionare für die anstehende Woche vor. Einkaufen, Wäsche waschen und die Wohnung gründlich putzen. "In einer reinen Wohnung wird der Geist immer bei uns sein und uns in schwierigen Situationen beistehen", sagt Konietz.