Häufig sprechen Passanten die Männer während der Arbeit an und fragen, was sie da machen. Ein Vater antwortet seinem Sohn: "Die haben die Wand bemalt und jetzt müssen sie es wieder wegmachen."

"Wenn wir doch nur jedes Mal einen Euro kriegen würden, wenn unsere Arbeit so kommentiert wird", sagt ein Graffiti-Entferner mit schwarzen Haaren und Dreitagebart und lacht.

Während der Wahlkämpfe oder wenn der Akademikerball bevorsteht, haben die Graffiti-Entferner am meisten zu tun. Oft auch an bereits bekannten Orten. "Bei einem Gebäude waren wir in den letzten fünf Jahren schon zehn Mal", sagt Markus Schindler, Geschäftsführer der Firma.

Entfernung wird aufwendiger

Um die Fassade zu reinigen, benötigten die Männer zirka einen dreiviertel Tag. Beton, Marmor und Granit werden sandgestrahlt und die Farbe dadurch abgeschliffen. Für glatte Flächen wie Fenster oder die hölzerne Haustür verwenden sie ein chemisches Lösungsmittel. "Die Entfernung ist sehr viel aufwendiger geworden, weil die Leute ätzende Lackstifte verwenden, deren Farbe in den Stein einzieht," erklärt Schindler.

Hoffman von der Graffiti Agency bezweifelt das. Die Materialien seien über die Jahre einfach besser geworden. Die Farbe deckt besser und die Sprühdosen sind einfacher zu bedienen und konkreter einsetzbar. Früher hat man sich die Tinte noch selbst gemischt, "mit Bremsflüssigkeit und Dreck".

Seit 18 Jahren malt er schon. Sein Lieblingsmotiv ist nach wie vor Schleim. Eine organische, unkontrollierbare Masse. Er lacht, als er versucht, das pantomimisch darzustellen. "Wenn man die Graffiti-Kunst neu kennenlernt, sieht man die Stadt ganz anders," sagt er. Er ist im 15. Bezirk aufgewachsen und durch Freunde im Gemeindebau zur Graffitikunst gekommen.

Markus Leitgeb von Wiener Wohnen fröstelt und verschränkt die Arme vor seinem schwarzen Mantel. Es gibt legale Graffitiflächen in den insgesamt 2000 Wohnhausanlagen, trotzdem mussten im letzten Jahr 330 illegal angebrachte Schriftzüge entfernt werden, erklärt der Pressesprecher auf dem Weg in die Sonne, die eine frisch gereinigte Fassade an einem Gemeindebau anstrahlt. Hier ist der Unterschied zwischen altem und neuem eierschalenfarbenen Wandton gut zu erkennen.

Kontrolle legaler Sprayer

Zwei der insgesamt 1400 Mitarbeiter sind für die speziellen Reinigungsaufträge zuständig. Vor allem beim Allianzstadion entfernen sie oft unerlaubt angebrachte Malereien. Über die Jahre habe sich an der Anzahl, wie Leitgeb sagt, kaum etwas geändert. Jeder Bewohner kann sie melden, vor allem herabwürdigende Schriftzüge werden schnell entfernt. Jedes Mal wird dann auch eine Anzeige bei der Polizei erstattet.

Auch das Team der Graffiti Agency wird während der Arbeiten an der Pilgramgasse von der Polizei unterbrochen. Die rückt mit drei Wägen an. "Das kommt öfter vor, wenn Leute jemanden sprühen sehen", sagt Hoffman gelassen. Er hat eine Genehmigung dabei, wie viele andere Auftragskünstler in Wien, die sich bereits auf Polizeikontrollen einstellen.

Genauso umstritten wie es ist, Graffiti-Werke anzubringen, ist deren Entfernung. Werke des britischen Künstlers Banksy werden teilweise mit Plexiglas geschützt, aber auch ein Schriftzug des umstrittenen "Puber" sei, laut Christian Winkler, der auf seiner Instagramseite Graffiti-Werke dokumentiert, in der Zwischenzeit mehrere hundert Euro wert. Generell kommt es auf den Untergrund an. Wird auf eine bewegbare Fläche gesprüht, kann diese nach einiger Zeit abgenommen und weiterverkauft werden.

Was mit der Wand der Wiener Linien passiert, nachdem sie ausgedient hat, ist noch unklar. Vielleicht kann sie ja sogar gewinnbringend verkauft werden.