"Euer Exzellenz, in aller Eile teile ich Euer Exzellenz gleich das Resultat unserer heutigen Sitzung in der Z.K. mit. Es ist einstimmig beschlossen worden, sich an die Gemeinde mit dem Ersuchen zu wenden, derzeit von der Verbauung des Karlsplatzes abzusehen, da kein Projekt bisher aufgestellt wurde welches jenen Forderungen entsprechen würde, die die Z. K. vom Standpunkte der Denkmalpflege vertreten muss und die daran bestehen, dass alle irgendwie wertvolle Ausblicke auf die Karlskirche festgehalten werden und der projektierte Neubau derart beschaffen ist, dass seine Unterordnung unter die bisher dominierende Wirkung der Karlskirche sowohl in der Außenkomposition als in der Silhouette und farbiger Erscheinung gesichert wäre."

Max Dvořák an Karl Lanckoroński; 13. Dez. 1907
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Handschriftensammlung. - © Josef Wiha/ Polska Akademia Umiejętności (PAU), Fototeka Lanckorońskich
Eine von Zehntausenden Aufnahmen aus der Sammlung des Karl Lanckoroński, die "sein Wien" zeigt, wie er es liebte – und wie er es geschützt wissen wollte. Im Vordergrund die "Elisabethbrücke" des Ludwig Christian von Förster. - © Josef Wiha/ Polska Akademia Umiejętności (PAU), Fototeka Lanckorońskich

Wien. Karl Anton Leon Ludwig Graf Lanckoroński-Brzezie – der Name bezieht sich auf Besitzungen in Landskron (pol. Lanckorona) und Brzezie (keine deutschsprachige Bezeichnung) im heutigen Polen – war in den letzten Jahrzehnten der Donau-Monarchie einer der wichtigen kulturpolitischen Akteure, jedenfalls eine Persönlichkeit mit außergewöhnlicher Wirkungsvielfalt.

Die Polnische Akademie der Wissenschaften (Polska Akademia Nauk, PAN) widmete dieser Persönlichkeit eine internationale Konferenz, bei der sich zahlreiche Fachleute über die Person und das Schaffen des Lanckoroński austauschten.

Während der Name in Österreich bislang in Vergessenheit zu geraten drohte, genießt er in Polen sehr hohe Anerkennung. Das Ansehen der Lanckorońskis erhöhte sich dort in den letzten Jahren abermals, nachdem die 104-jährig verstorbene Lanckoroński-Tochter Karolina (1898 bis 2002), selbst renommierte Kunsthistorikerin und beliebte Widerstandskämpferin, die verbliebenen Kunstschätze ihres Vaters nach der Wende des Jahres 1989 dem Staat geschenkt hatte.

Es seien dies wertvollste Elemente der Sammlungen in den Königsschlössern Krakau ("Wawel") und Warschau, so PAN-Direktor Bogusław Dybaś, dem das ungewöhnliche demographische Detail auffällt, dass Vater und Tochter gemeinsam einen Zeitraum von 154 Jahren (1848 bis 2002) abdeckten.

Dybaś macht auch auf die "Lanckoroński-Stiftung" aufmerksam, welche für die Geisteswissenschaften sehr wichtig ist; sie fördert Projekte und Studierende der Archäologie, der Geschichte, der Kunstgeschichte etc.

Ein Leben in Wien

Lanckoroński wurde am 4. November 1848 in Wien als Österreicher in eine kunstsinnige Familie geboren, deren Wurzeln – ursprünglich von Frankreich nach Polen zugewandert – bis ins 12. Jahrhundert zurückzuverfolgen sind ("Herren von Brézé"). Die Bestätigung des österreichischen Reichsgrafenstandes erfolgte mit Dekret des Kaisers Josef II. im November 1783.

Karl Lanckoroński, 1848 bis 1933 - © Polska Akademia Umiejętności (PAU), Fototeka Lanckorońskich
Karl Lanckoroński, 1848 bis 1933 - © Polska Akademia Umiejętności (PAU), Fototeka Lanckorońskich

Seine Mutter war Leonia geb. Gräfin Potocka (1821 bis 1893). Neben Vater Kasimir (1802 bis 1874), höfischer Kämmerer und bekannter Kunstsammler, soll Onkel Karl Lanckoroński (1799 bis 1863), einflussreicher Großkämmerer und Hoftheater-Direktor, besonderen Einfluss auf den Jungen gehabt haben.

Karl wuchs in der elterlichen Wohnung auf, und zwar in der Wiener Schenkenstraße (Hausnummer 10), vormalige Bezeichnung "Hintere Schenkenstraße" (Hausnummer 51); ganz in der Nähe entstand später das Hauptgebäude der von ihm so geschätzten Universität Wien (Architekt Heinrich von Ferstel)

An der Stelle jenes Elternhauses befindet sich heute ein Bürogebäude, das früher von dem Lebensmittel- und Chemie-Konzern Unilever und später als Außenstelle für die im Parlament vertretenen Parteien genutzt wurde; heute ist es – gut zu Lanckoroński passend – ein Institutsgebäude der Universität (u. a. Theologie).

Nach dem Besuch der Hauptschule "Zoller und Bernhard" (ab 1857) in Wien-Neubau und des Schotten-Gymnasiums (ab 1859), das er als sog. "Privatist" belegte (Maturitätsprüfung 1866), wurde Lanckoroński von 1866 bis 1871 an der Juridischen Fakultät der Universität Wien zum Juristen.

Rechtsgeschichte-Experte Thomas Olechowski beurteilt die Studienerfolge – es gab auch negative Beurteilungen (z. B. Zivilrecht) – nach Sichtung der Studien-Unterlagen als eher unterdurchschnittlich. Die Promotion zum Doktor "beider Rechte" – damals ohne Dissertation – erfolgte am 16. Juli 1873. Das Universitätsarchiv hütet die Studien-Unterlagen offensichtlich über Jahrhunderte.

Der Reifende dürfte von zwei Personen sehr geprägt worden sein, dem Philologen Wilhelm von Hartel und dem Juristen Adolf Exner. Karl interessierte sich früh für die Antike und unternahm bereits in jungen Jahren mehrere Reisen, bei denen er Alte und Neue Welt intensiv studierte; einigen Mittelmeer-Ländern galt seine besondere Aufmerksamkeit.

Nach des Vaters Tod (1874) übernahm Karl dessen erblichen Herrenhaus-Sitz und wurde 1878 – wie Vater – zu einem "Kämmerer".

Drei Ehen

Lanckoroński ehelichte 1878, im Alter von 30 Jahren, Marie Leopoldine Franziska Gabriele Elisabeth Bonifacia zu Salm-Reifferscheidt-Raitz (1859 bis 1897), allerdings wird die Ehe nach zwei Jahren annulliert.

Seine zweite Frau, Franziska "Fanni" Xaveria von Attems-Heiligenkreuz (1861 bis 1893), heiratete er 1892; eine große Liebesbeziehung, die leider ein Jahr später durch den Kindbett-Tod nach der Geburt des Sohnes Anton (1893) ein jähes Ende findet.

Aus der dritte Ehe - Margarete Eleonore Marie Karoline geb. Lichnowsky (1863 bis 1954) heiratete er 1897 - stammen die beiden Töchter Karolina (1898) und Adelajda (1903).

Vier Wohnsitze ...

Von der Schenkenstraße übersiedelte der Graf in die Riemergasse (1874), dann in die Wasagasse (1882); alle diese Wohnsitze zeichneten sich durch Gediegenheit und Komfort aus – sie wurden auch nach und nach zu Stätten gesellschaftlicher Anlässe.

Das Palais "Lanckoroński", gleich neben dem Belvedere, war einmal ein Zentrum des kulturellen Geschehens Wiens; leider wurde das kriegsbeschädigte Gebäude im Nachkriegswien geplündert und gebrandschatzt. Das Motiv findet sich auf einer Postkarte, die uns von einem privaten Sammler zur Verfügung gestellt wurde. - © Privatsammlung, Wien
Das Palais "Lanckoroński", gleich neben dem Belvedere, war einmal ein Zentrum des kulturellen Geschehens Wiens; leider wurde das kriegsbeschädigte Gebäude im Nachkriegswien geplündert und gebrandschatzt. Das Motiv findet sich auf einer Postkarte, die uns von einem privaten Sammler zur Verfügung gestellt wurde. - © Privatsammlung, Wien

Der Platzbedarf für die vor allem auf Reisen gesammelten Kunstgegenstände wurde immer größer und so nahm die Idee, ein Haus zu erbauen, das allen Anforderungen entspricht, aber auch für öffentliche Ausstellungen geeignet sein soll, konkrete Gestalt an.

Lanckoroński ließ sich in der Wiener Jacquingasse ein prächtiges Palais bauen (Fertigstellung 1895), an den Botanischen Garten angrenzend, mit Blick über das Belvedere, in Sichtweite zu den monumentalen Bahnhöfen der sog. Staatsbahn und der Südbahn (deren Portale wohl auch für den Grafen die Verbindung zur Welt herstellten).

Die Architekten Ferdinand Fellmer und Hermann Helmer hatten den Auftrag erhalten (und durften sich der intensiven Mitsprache seitens des Bauherrn sicher sein), einen Entwurf zu realisieren, der mit der Belvedere-Anlage und dem Palais Schwarzenberg nicht in negative Beziehung tritt und dem Bauherrn, der das Spätbarock als österreichisches Identitätsmerkmal versteht, gefallen sollte.

Dieses Haus war bald ein Mittelpunkt kultureller und wissenschaftlicher Aktivitäten und wurde nicht zuletzt durch die Kunstsammlung legendär.

Basis der Sammlung waren die von Onkel Karl und vom Vater geerbten Kunstwerke, die kontinuierlich ergänzt wurden; Objekte, die zu einem großen Teil von den Forschungsreisen stammten. Neben Büchern und Bildern sind es auch Skulpturen und Gipsabgüsse, ebenso Gegenstände der Truhen-Malerei.

Die großzügigen Räumlichkeiten (z. B. "Freskensaal", "Italienischer Saal", "Niederländischer Saal", "Altdeutsches Kabinett", Hauskapelle) ließen verschiedenste kulturelle Nutzungen zu.

Das Gebäude, es wurde im Zweiten Weltkrieg schwer – aber nicht irreparabel – beschädigt, ward erst nach Kriegsende durch Brandstiftung zerstört; heute befinden sich auf dem Areal ein Hotel ("Daniel", vormals Bürogebäude Hoffmann la Roche) und ein Appartementhaus.

… und ein "Faniteum"

Noch während das Palais in Bau war, erging der Auftrag für ein Sommerhaus im toskanischen Stil, das in Ober St. Veit am südwestlichen Stadtrand von dem Schweizer Architekten Emanuel La Roche errichtet werden sollte.

Inzwischen aber starb Gemahlin Franziska und es sollte aus der Villa ein Mausoleum werden; dies war aus rechtlichen Gründen nur eingeschränkt möglich, so wurde eine Kapelle errichtet. Das Ensemble ist heute als "Faniteum" bekannt (nach Franziskas Kosenamen "Fanny").

Später wurde das Objekt zu einem Lazarett (Erster Weltkrieg), zu einem Mädchenheim und  zu einer hochgeheimen Anlage der Deutschen Wehrmacht (Zweiter Weltkrieg). Heute ist es ein Kloster des Karmeliterinnen-Ordens.

Denkmalschützer …

Lanckorońskis spezielles Interesse galt dem Landschafts-, dem Kulturgüter- und dem Denkmalschutz; er betrieb aktiv die Gründung entsprechender privater sowie staatlicher Stellen und wurde später, 1911, auch Vize-Chef des neuen Denkmalamtes. Er initiierte aber auch das Polnische Denkmalsschutzamt (1914).

Lanckoroński setzte sich für den Stadtbild- und Ensemble-Schutz ein; ganz besonders u.a. für die Rettung des Stephansdom-"Riesentors", das es ohne ihn wohl heute nicht mehr gäbe; ein anderer Kampf galt dem Schutz des Karlsplatzes – ein bis heute aktuelles Thema.

"Wawel"-Kuratorin Joanna Winiewicz-Wolska beschäftigt sich auch mit der Frage, ob Lanckoroński einen wirklich entscheidenden Einfluss auf die Fragen der Denkmalpflege in Wien und in der übrigen Monarchie hatte oder ob seine Interventionen eine Art von Unterstützung prominenter Personen war.

Das Burgtheater aus der Foto-Sammlung des Grafen. - © Polska Akademia Umiejętności (PAU), Fototeka Lanckorońskich
Das Burgtheater aus der Foto-Sammlung des Grafen. - © Polska Akademia Umiejętności (PAU), Fototeka Lanckorońskich

Lanckorońskis Bemerkungen konnten geradezu bissig sein: "Wie die Oper der trefflichste, ist außer den Hofmuseen das Burgtheater der mißlungenste dieser Prunkbauten. Schon gleich nach Eröffnung dieses Hauses wurden gewichtige Stimmen laut, die es das Mausoleum der alten Burgtheaterkunst nannten, und der Chor dieser Stimmen ist seither nicht verstummt. Zu groß, unpraktisch und unakustisch, überladen mit unnützem Schmuck, sind die berechtigten Hauptgravamina, die gegen diesen Bau Hasenauers erhoben werden." (Zitat aus "Unschätzbare Werte – Die Zukunft unseres Kunstgutes", Wien 1919).

Im Gegensatz zu der in der Öffentlichkeit weit verbreiteten (aber falschen) Ansicht war Lanckoroński jedoch selbst kein Kunsthistoriker oder Archäologe, sondern "Laie"; dies aber auf einem Niveau, das in der Fachwelt höchste Anerkennung fand (und findet); die Beschäftigung mit ihm gestaltet sich auch heute noch sehr spannend.

… und Staatsdiener

Wirklich wichtig wurde Lanckoroński 1914 mit der Ernennung zum "Oberstkämmerer", Chef aller kaiserlichen Sammlungen; diese umfassten neben der Schatzkammer, dem "Münz- und Anticencabinete" auch die zoologischen, botanischen, mineralogischen, physikalisch-astronomischen "Cabinete", ebenso die Gemälde-Galerie und die beiden Hoftheater sowie Schloss Ambras.

Vorgänger in dieser Funktion waren z. B. nicht nur sein Onkel Karl (s. o.), sondern auch Moriz von Dietriechstein (1775 bis 1864).

Auf Reisen

Lanckoroński organisierte (und finanzierte) bereits ab 1882 archäologische Forschungsreisen, an denen prominente Wissenschafter teilnahmen. Die Publikation über die Städte Pamphyliens und Pisidiens setzt bis heute Maßstäbe und "ebnete Lanckoroński den Weg zur wissenschaftliche Elite", so Expertin Winiewicz-Wolska – und: "Der Name Lanckoroński ist mit den Errungenschaften der deutschen und österreichischen Anatolien-Archäologie untrennbar verbunden".

Karl Lanckoroński legte bei den von ihm organisierten Expeditionen sehr viel Wert auf eine präzise Dokumentation. So war auch häufig der Maler Jacek Malczewski dabei – hier eine seiner Zeichnungen über die Ausgrabungstätigkeit in Sagalassos (1884). - © Zeichnung: Mieczysław Paszkiewicz, "Jacek Malczewski w Azji Mniejszej i w Rozdole", London 1972
Karl Lanckoroński legte bei den von ihm organisierten Expeditionen sehr viel Wert auf eine präzise Dokumentation. So war auch häufig der Maler Jacek Malczewski dabei – hier eine seiner Zeichnungen über die Ausgrabungstätigkeit in Sagalassos (1884). - © Zeichnung: Mieczysław Paszkiewicz, "Jacek Malczewski w Azji Mniejszej i w Rozdole", London 1972

Für den Altertumsexperten Hubert Szemethy ist Lanckorońskis Bedeutung für Österreichs Archäologie so groß wie jene des Fürsten Johann II. von Liechtenstein, der sich als Forschungsförderer einen Namen gemacht hat.

Er weist auch darauf hin, dass Liechtensteins Stiftung einer "Commission für archäologische Erforschung Klein-Asiens" bis in die Gegenwart positiv wirkt.

Wiewohl "nur Amateur" wurde er infolge seiner Archäologie-Bemühungen zum Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie weiterer bedeutender Wissenschaftsinstitutionen, wie die Polnische Akademie der Wissenschaften und Künste (PAU). Dazu kamen Ehrendoktorate der Universität Berlin und der Jagiellonen-Universität in Krakau.

Lanckorońskis Archäologie-Netzwerk bestand aus renommierten Persönlichkeiten: Felix von Luschan, Marian Sokołowski, George Niemann, Eugen Petersen, Piotr Bieńkowski, Ludwig Curtius, um nur einige zu nennen.

Dieser Kreis erweiterte sich um zahlreiche Angehörige anderer Disziplinen (v. a. Architektur, Malerei, Fotografie), wie z. B. Moriz Hartel, Jacek Malczewski, Eduard Kaiser, Adolf Gnauth, Rudolf Huber, Franz von Lenbach, Leopold Carla Müller, Caspar von Zumbusch, Angelos Giallina, Marcel Gorkiewicz, Leopold Bara, Johann Georg Wassmuth und viele andere mehr.

Der Graf reüssierte ebenso in Kunsthistoriker-Kreisen, wobei er auch hier eine illustre Schar von Fachleuten um sich wusste. So etwa Arnold Böcklin, Hans Makart (mit ihm besuchte er 1876 Richard Wagners Nibelungen-Uraufführung in Bayreuth), Max Dvořák, Hans Tietze, Wilhelm von Bode, Cornelius Gurlitt, Gustav Glück, André Hallays, Henri Michel, Auguste Rodin, Marie von Ebner-Eschenbach, Rainer Marie Rilke, Hugo von Hofmannsthal, Jerzy Mycielski, Julian Klaczko, Henryk Rodakowski, und Max Mell.

Lanckoroński gilt auch auf diesem Gebiet als "Amateur auf höchstem Niveau", wenngleich es Hinweise gibt, dass er neben juridischen auch Kunstgeschichte-Studien betrieben haben könnte (wenngleich ohne offiziellen Abschluss). Der Kunstgeschichte-Professor Rudolf von Eitelberger, späterer Direktor der Österr. Museums für Kunst und Industrie (heute MAK), stand ihm nahe, so dass es plausibel zu sein scheint, dass er Lehrveranstaltungen besuchte, so die Einschätzung von Hubert Szemethy.

Mit seiner Wiener Universität blieb er eng verbunden, hat sie ideell und materiell unterstützt; neben finanziellen Zuwendungen waren es auch Druckwerke und z. B. Gips-Abgüsse antiker Skulpturen, aber auch Fotos für das Kunstgeschichte-Institut.

Die Jagiellonen-Universität in Krakau verdankt ihr Kunstgeschichte-Institut der Kunstgeschichte-Begeisterung Lanckorońskis. Aleksandra Szymanowicz-Hren, Mitarbeiterin des Lanckoroński-Nachlass-Forschungsprojekts sieht sogar eine persönliche Beziehung: "Ohne diese Institutsgründung – es war das zweite Kunstgeschichte-Institut außerhalb Wiens – hätte ich vielleicht gar nicht dieses Studium gewählt".

Die Zuwendungen Lanckorońskis waren aber auch sozialen Charakters: So ist beispielsweise ein Dankschreiben des Bürgermeisters Karl Lueger bekannt, in dem dieser Lanckoroński dafür dankt, den Schulkindern des 3. Wiener Gemeindebezirks Schuhe gekauft zu haben.

Lanckoroński verblieb nach dem Zerfall der Donau-Monarchie in Wien, wo er weiterhin wichtige Aufgaben erledigte; so vertrat er Polen bei den Kulturgüter-Reparationsverhandlungen; gleichzeitig setzte er seine Kontakte im Sinne des Zusammenhalts der österreichischen Kulturgüter ein – sicher ein schwieriger Spagat.

Karl Lanckoroński verstarb am 15. Juli 1933 als überzeugter Pole, der nie aufhörte, seiner alten Heimat und seinen Idealen treu zu sein. Seine letzte Ruhestätte findet sich auf dem Hietzinger Friedhof in Wien 13.

Die Todesmeldung in der Wiener Zeitung... - © ONBanno WrZ 19330716 S06 LanckoronskiK T1
Die Todesmeldung in der Wiener Zeitung... - © ONBanno WrZ 19330716 S06 LanckoronskiK T1
... ehrte den Grafen. - © ONBanno WrZ 19330716 S06 LanckoronskiK T2
... ehrte den Grafen. - © ONBanno WrZ 19330716 S06 LanckoronskiK T2

Johannes Wilde beschrieb ihn im "Neuen Wiener Tagblatt" (Nr. 196-1933) am 18. Juli 1933 auf der Seite 1 als "Der letzte Humanist".

Nachlass für Generationen

Ein sehr interessanter Teil des Lanckoroński-Nachlasses findet sich in der Handschriften-Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, "wo sämtliche Schriftstücke katalogisiert, digitalisiert und allgemein zugänglich gemacht werden", wie Katrin Jilek, Expertin der ÖNB, ankündigt.

Jilek findet diese Lebenserinnerungen, die einen sehr großen Zeitraum abdecken und sehr viel Alltagseinblicke ermöglichen, schon aus diesem Grunde nicht nur wissenschaftlich bedeutend, sondern auch sehr spannend.

Lanckoroński hinterließ auch eine Foto-Sammlung, ursprünglich etwa 120.000 Aufnahmen, von denen etwa 45.000 erhalten sind; ein Teil dieser Aufnahmen stammt von der Wiener Foto-Legende August Stauda, der für den dokumentationssinnigen Grafen ebenso arbeitete wie der Maler Rudolf von Alt. Eine vielfältige Dokumentation von Aktivitäten, Örtlichkeiten und Objekten. Einige der Fotos sind derzeit in Wien ausgestellt (siehe Hinweis am Ende des Artikels).

Hubert Szemethy ließ bei der Konferenz im wahrsten Sinne des Wortes "aufhorchen", als er – für die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer überraschend – ein Ton-Dokument präsentierte: Karl Lanckoroński, spricht einen heute geradezu als programmatisch erscheinenden Satz über Telephonie und Phonographie.

"Wie durch das Telephon die örtlichen, so finden wir durch den Phonographen die zeitlichen Entfernungen aufgehoben. Zweifellos wäre es von Einfluß auf die Entwicklung der Menschheit gewesen, wenn die Einwirkung der Vorfahren auf nachfolgende Geschlechter schon früher, statt bloß auf dem geschriebenen und gedruckten, auch auf dem lebendigen gesprochenen Worte beruht hätte." (Quelle: Zitat aus Vortrag H. Szemethy).

Ausstellung und Einladung zu einer Sonderführung

WAS:
Ausstellung "Karl Lanckoroński und sein Wien"
Historische Wien-Ansichten aus der Sammlung Lanckoroński die jenes Wien, wie jener es wahrnahm (und schützen wollte), lebendig werden lassen (Lanckoroński-Fotothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften und Künste, Krakau).

WO:
Polnische Akademie der Wissenschaften (PAN), 3., Boerhaavegasse 25 (Nähe Rennweg). Telefon 01/ 713 59 29, Mail office@viennapan.org

Die Leserinnen und Leser der "Wiener Zeitung"  sind eingeladen, an einer Sonderführung teilzunehmen. Termin: Di., 7. Jan. 2014 (letzter Tag der Ausstellung!), 17.15 Uhr, PAN. Adresse siehe oben; Anmeldung telefonisch oder per Mail erbeten.

Der Artikel ist in gekürzter Form in der "Wiener Zeitung" am 21.12.2013 auf Seite 18 erschienen.