Wien ist mit Unesco eine Verpflichtung eingegangen und es gibt einen Stadtentwicklungsplan. Die Frage, ob auf einem gewissen Areal Hochhäuser möglich sind oder nicht, sollte daher vorher geklärt werden. Erst dann sollte es zu einer Ausschreibung kommen. Dazu kommt, dass sich die Architekten nicht immer an die Vorgaben halten und meist gewinnt auch genau derjenige, der unkonventionell plant. Dann steht man vor einem Problem. Einen Kampf zwischen Wirtschaftlichkeit und Schutz sollte es aber, wenn es um Kultur geht, nicht geben.

Das Argument der Stadt, immer mehr Wohnraum für das wachsende Wien zu brauchen, kann Investoren zugute kommen. Der Schutz bleibt dann oft auf der Strecke.

Ich finde das eine schließt das andere nicht aus. Wir brauchen bebaubare Flächen, wir brauchen Hochhäuser. Man darf die Stadt nicht einfrieren. Die Frage ist nur immer, was lasse ich zu? Hier müssen Verschiebungen möglich sein. Beim Denkmalschutz ist es meist einfacher, weil es um eine konkrete Substanz geht. Bei der Schutzzone darf zwar das Ensemble nicht beeinträchtigt werden, das Erscheinungsbild kann sich jedoch ändern. Auch kann man heute niemanden mehr zwingen auf ein Gangklo zu gehen.

Auch die Bebauung der Steinhof-Gründe im 14. Bezirk ist schon seit längerem umstritten.

In einem kleinen Bereich ist es dort schon möglich, etwas hinzubauen. Es geht hier um ein Areal am Rande der Steinhofgründe, auf welchem zuvor schon niedrige Häuser standen, die abgerissen wurden. Wir haben von Anfang an klargestellt, dass nicht in die Pavillons hineingebaut werden darf - und das wird es auch nicht. Am Ende des Tages zählen oft andere Interessenslagen, wie etwa ein höheres Verkehrsaufkommen aufgrund der neuen Wohnbauten. Auch beim Bau des Muth für die Sängerknaben im Augarten gab es Proteste. Dabei ging es ebenfalls sehr um persönliche Befindlichkeiten.

Was können Sie als Bundesdenkmalamt für die Bürger und ihre Stadt tun?

Wir können darauf schauen, dass wir unsere Aufgabe, historisch Wertvolles unter Schutz zu stellen, erfüllen. Und dass wir alle Veränderungen, die in der Stadt gemacht werden, so transparent wie möglich gestalten.

Die traditionelle Eislaufverein-Fläche wollten Sie nicht schützen?

Nein. Wir haben sie geprüft. Der Eislaufverein fällt aber nicht unter Denkmalschutz, das Objekt ist nicht von außergewöhnlicher architektonischer oder kunsthistorischer Bedeutung. Ich verstehe aber, dass die Bürger immer ihr Gewohntes haben wollen.

Sind die Wiener Gewohnheitstiere?

Nicht nur die Wiener. Alle.