Wien. Was ist schon die Überwindung von 55 Kilometern auf gerader Ebene in der heutigen Zeit? Ein Katzensprung, möchte man meinen. Die Planung der ebenso langen Bahnverbindung Wien-Bratislava erinnerte jedoch mehr an die Durchdringung Russlands mit der Transsibirischen Eisenbahn im 19. Jahrhundert.

Ganze 27 Jahre mussten seit dem Fall des Eisernen Vorhangs verstreichen, um den Spatenstich für den Ausbau der Verbindung in die slowakische Hauptstadt vorzunehmen. Sie soll nun elektrifiziert und zweigleisig werden. 2023 wird es dann möglich sein, die Strecke in 40 statt derzeit in 65 Minuten zurückzulegen.

505 Millionen Euro wurden für den Ausbau der 37 Kilometer lange Strecke von Wien bis zur Staatsgrenze bei Marchegg investiert. 15 Millionen Euro davon zahlt die Stadt Wien, den Rest übernimmt der Bund. Bis Wien-Aspern soll sie bis 2018 zweigleisig sein, zwischen Siebenbrunn-Leopoldsdorf und Schönfeld-Lassee bis 2023. Geplant sind dann stündlich drei Personenzüge - etwa je eine S-Bahn, einen Regionalzug und einen Fernverkehrszug - sowie Güterzüge.

Spitzengeschwindigkeit von 160 Kilometer pro Stunde

Sollte der Bedarf auf der Strecke noch deutlich steigen, ist ein zweigleisiger Vollausbau bis 2030 angedacht. Mit der Modernisierung wird die Strecke elektrifiziert, die Spitzengeschwindigkeit soll auf 160 Kilometer pro Stunde steigen.

Auf der slowakischen Seite wird die Strecke zwischen der Staatsgrenze und Devinska Nova Ves bis Ende 2022 elektrifiziert werden.

Die Modernisierung der Bahnstrecke soll vor allem Pendler ansprechen. Sie sollen motiviert werden, ihr Auto stehen zu lassen, um auf die Öffis umzusteigen. Davon zeigen sich der slowakische Staatssekretär für Transport Viktor Stomček und Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) unisono überzeugt.

Gleichzeitig stehen jedoch zwei milliardenschwere Schnellstraßenprojekte in der Donaustadt vor dem Abschluss, die erst recht wieder ein Angebot für Autofahrer sind. Zahlreiche Bürgerinitiativen haben sich gebildet, die gegen die Stadtstraße Aspern und die S1 Spange Seestadt samt Lobautunnel, mobilmachen.

Werner Schandl, Sprecher der Donaustädter Bürgerinitiative Hirschstetten-retten, begrüßt den "längst überfälligen" Ausbau der Bahnstrecke nach Bratislava. Gleichzeitig verurteilt er jedoch die Straßenprojekte: "Abgesehen von der zusätzlichen Gefährdung der Gesundheit der ortsansässigen Bevölkerung konterkarieren diese Projekte auch die bereits getätigten Investitionen in den Bau der U2 und die geplanten Investitionen in den Ausbau der Schnellbahnstrecke nach Bratislava massiv", sagt Schandl.

Leichtfried zu Lobautunnel:
"Es geht alles seinen Gang"

Für Infrastrukturminister Jörg Leichtfried ist es "nicht unrichtig", dass der Bau von Straßen Autos anziehe. Er gehe aber davon aus, dass die Straßenprojekte trotzdem notwendig seien. "Man muss derzeit noch kombiniert denken, wenn man über Mobilität nachdenkt. Was es für Zukunftsoptionen in den nächsten Jahrzehnten gibt, ist schwer abschätzbar. Es ist alles sehr komplex derzeit", sagt Leichtfried. "Das Herz aller Bemühungen hat aber der öffentliche Verkehr zu sein."

Vor allem der 1,8 Milliarden Euro teure Lobautunnel ist umstritten. Damit er gebaut werden kann, muss das Projekt noch der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) standhalten. Auf die Frage, wie hoch die Chancen für den Bau des Tunnels seien, antwortet Leichtfried: "Es geht alles seinen Gang."