Die neue Parteispitze muss die Grünen neu positionieren, so Politikberater Thomas Hofer. - © apa/Hochmuth
Die neue Parteispitze muss die Grünen neu positionieren, so Politikberater Thomas Hofer. - © apa/Hochmuth

Wien. Die erste Wahl ist geschlagen, die nächste aber wartet bereits: Die neue Führung der Wiener Grünen muss sich auf die Wien-Wahl 2020 vorbereiten. Ein Stapel an kniffligen Aufgaben wartet auf den Nachfolger von Maria Vassilakou, der kein einfaches Erbe antritt.

Denn Vassilakou gelang es, die Wiener Grünen zu positionieren. Sie schärfte das Profil der Partei und zog die (mediale) Aufmerksamkeit auf sich. Die Stadträtin setzte im Verkehrs- und Stadtplanungsressort Maßnahmen, die polarisierten, Bewunderer und Gegner fanden sich. Emotional wurde über Parkpickerl, Fußgängerzonen & Co. diskutiert, stets blieben die Grünen im Mittelpunkt. Und auch die neue Parteiführung muss auffallen, will sie am Wählermarkt nicht untergehen.

"Sie muss sich positionieren und grüne Markierungen setzten", sagt Politikberater Thomas Hofer zur "Wiener Zeitung". Nicht zwangsweise müsse sie mit der SPÖ auf Konfrontationskurs gehen, "aber zu allem ‚Ja und Amen‘ sagen, wäre der falsche Weg".

Das könnte jedoch die SPÖ verärgern, die mit Bürgermeister Michael Ludwig von ihrem Mitte-links-Kurs abweicht. Eine Koalition mit der Wiener ÖVP nach der nächsten Wahl erscheint immer wahrscheinlicher, einflussreiche Kontakte zwischen den Parteien gibt es bereits. So hat Ludwig einen guten Draht zum Chef der Wiener Wirtschaftskammer, Walter Ruck. Seit Ludwigs Amtsantritt haben die beiden auf zahlreichen Pressekonferenzen gemeinsam ihre Pläne präsentiert.

"Dann ist es vorbei"

Treibt eine kantige Politik der Grünen die SPÖ also nicht erst recht in die Arme der Schwarzen? "Wenn jemand die Grünen mit der Angst übernimmt, dass die SPÖ nach der Wahl mit einer anderen Partei koaliert: Dann ist es schon vorbei", sagt Hofer. Der Richtungsschwenk von Ludwig müsse als Chance gesehen werden: "Da Ludwig nach rechts und in Richtung der Flächenbezirke abbiegt, um dort der FPÖ Wähler abspenstig zu machen, geht da schon ein Fenster für die Grünen auf", meint der Politikexperte.

Besonders im Wahlkampf wird es für die Grünen heikel werden. Ein ähnliches Ungemach wie bei der Wien-Wahl 2015 droht ihnen beim nächsten Urnengang. Damals hatte Michael Häupl die SPÖ als letztes Bollwerk gegen die Freiheitlichen inszeniert. Die Masche zog, viele Grün-Wähler "liehen" ihre Stimme der SPÖ, um Heinz-Christian Strache als Bürgermeister zu verhindern.