Wien. (apa/rös) Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat Kritik an den Kosten des neuen einheitlichen Markenauftritts der Stadt Wien geübt. Knapp 600.000 Euro für das neue Design sei eine "absurde Größenordnung", so der Kanzler am Donnerstag: "Die Bundesregierung hat für die Vereinheitlichung aller Bundeslogos 70.000 Euro ausgegeben."

Die Stadt hatte, wie berichtet, den einheitlichen Markenauftritt tags zuvor präsentiert. Die Kosten wurden mit 595.000 Euro angegeben. Darunter fällt der gesamte Markenprozess - also etwa der Online-Auftritt, die Fahrzeug-Brandings, Info-Folder, der offizielle Schriftverkehr, Werbeeinschaltungen usw. Laut der Stadt ist dem eine EU-weite Ausschreibung im Herbst 2017 vorausgegangen. Dem Projekt und den Projektkosten hätten damals SPÖ, Grüne und ÖVP zugestimmt.

"Polemische Wortmeldungen"

Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ) sprach am Donnerstag von "polemischen Wortmeldungen". Es gehe hier um eine umfassende Neuausrichtung der Wiener Öffentlichkeitsarbeit. "Die Entwicklung eines simplen Logos ist damit nicht zu vergleichen, das sollte auch der Bundeskanzler wissen", sagte Hanke in Richtung Kurz. Das Projekt spare durch die Vereinheitlichung der bisher sehr unterschiedlichen Auftritte langfristig sogar Kosten ein, versicherte der Stadtrat. Außerdem sei es ein ÖVP-Ministerium gewesen, "dass erst vor einigen Jahren um 600.000 Euro einen ‚Nation Branding‘-Prozess bezahlt hatte, der dann aber nie umgesetzt wurde".

Bei der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation der Wirtschaftskammer bezeichnete man die Kosten als "nachvollziehbar". "Es ist schon ein Unterschied, ob man ein Logo für ein Kleinunternehmen machen lässt oder einen Markenprozess für einen Magistrat mit 50 Dienststellen und hunderten Abteilungen durchführt", hieß es.