Wien. Gegensätzlicher könnte es nicht sein. Der Europaplatz vor dem Westbahnhof und das Café Europa. Einer der meistfrequentierten Verkehrsknoten Wiens, wo bereits Anfang der 1990er Jahre 90.000 Autos und 110.000 Fußgänger gezählt wurden und der am 21. Mai 1958 "einem Appell des Europarates folgend und als Bekenntnis zur Idee Europas" Europaplatz benannt wird. Und schließlich die Mutter aller Hipster-Lokale - das Café Europa in der Zollergasse.

Auf der einen Seite Rudolfsheim-Fünfhaus, wo die Wahlbeteiligung bei der vergangenen EU-Wahl 2014 mit 39 Prozent unter dem österreichweiten Durchschnitt (45 Prozent) lag. Auf der anderen Seite Neubau mit einer Wahlbeteiligung von mehr als 54 Prozent. Der Duft von Bratwürsteln, Männer und Frauen, die mit einer Bierdose in der Hand auf dem Platz verweilen, versus Latte Macchiato, hausgemachte Limonade aus Rosenblüte und und Lounge-Musik. Nur einen Kilometer entfernt, aber eine andere Welt.

Kandidaten unbekannt

"Alle Politiker sind falsch", kommentiert ein junger Bursche, der sich mit seiner Freundin um zehn Uhr morgens einen Hotdog am Schnellimbiss am Europaplatz bestellt. Sie stimmt ihm mit einem Nicken zu. Mehr gebe es über die EU nicht zu sagen. Redseliger ist ein Herr, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchten. "Die EU ist ein korrupter Verein." Was wissen Sie über die EU? "Ich weiß alles, weil es mich interessiert. Ich lese alles darüber und schaue mir alle TV-Diskussionen an. Ich war nie für die EU. Ich habe gegen den Beitritt gestimmt", erzählt er. Die EU stürze sich ins Unglück. "Wir dürfen nichts mehr entscheiden, alles geben sie uns vor, sogar wie wir unsere Schnitzerl essen sollen. Was soll das?"

Wichtig sei, die Eigenständigkeit im eigenen Land zu erhalten. "Ich brauche nicht ohne Reisepass zu reisen. Ob ich jetzt zwei Minuten früher oder später über die Grenze komme, ist doch egal." Werden Sie an der EU-Wahl teilnehmen? "Ausnahmsweise ja. Ich sage auch, wen ich wählen werde. Ich wähle die Blauen. Ich war lange genug Sozialist, aber richtiger Sozialist. Aber ich habe gemerkt, dass die nichts machen können. Wenn die sagen, wir brauchen einen Staat wie Amerika, ist das doch idiotisch."

Einen schweren Stand hat die EU auch, wenn es um die Bekanntheit der Spitzenkandidaten für die Wahl geht, etwa um den der Europäischen Volkspartei nominierte Manfred Weber, der nächster EU-Kommissionspräsidenten werden soll.