Wien. Der Wiener Bürgermeistersessel - lange schon wollte die FPÖ darauf Platz nehmen. Jahrelang träumten die Freiheitlichen davon, die SPÖ zu überholen; die Überlegung, mit der ÖVP nach der nächsten Wien-Wahl eine Koalition abseits der Roten zu bilden, stand im Raum. Mit dem Ibiza-Video sind diese Gedankenspiele vorerst passé. Die FPÖ wird in Wien weiter auf der Oppositionsbank sitzen müssen, ihre Position scheint auf Jahre einzementiert.

Denn die Ibiza-Videos sind gerade auch für die Wiener Landespartei verheerend, mit Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus sind ihre zwei wichtigsten Politiker zurückgetreten. Als möglicher Nachfolger Straches wird Vizebürgermeister Dominik Nepp gehandelt, auch könnte die interimistische Vorsitzende Veronika Matiasek länger im Amt bleiben. Die Parteigremien tagen derzeit, eine Entscheidung wird vermutlich in der Nacht auf Dienstag fallen. Die Präsentation wird dem Vernehmen nach am Dienstagvormittag im Rahmen eines Pressetermins stattfinden.

Dass Strache doch noch an der Spitze verbleiben könnte, wurde von der Partei am Montag ausgeschlossen. Das hatten zuvor vereinzelte Stimmen wie Karl Baron, der Obmann der Freiheitlichen Wirtschaft Wien, gefordert. Auch Strache hatte die Gerüchte durch ein Facebook-Posting - "Jetzt erst recht!" - angeheizt. Zumindest zeigt Barons Stellungnahme aber, dass der Langzeitchef trotz des Skandals und möglicher strafrechtlicher Ermittlungen weiterhin treue Anhänger hat: Strache war seit 2004 Landesparteiobmann, unter seiner Ägide erlebte die Partei einen Aufschwung. 2005 erreichte sie bei den Wiener Landtagswahlen knapp 15 Prozent, 2015 wurde sie mit 30,8 Prozent zur zweitstärksten Kraft.

"Straches Statthalter"

In der Wiener FPÖ ist auch Gudenus aufgestiegen, er ist am Sonntag aus der Partei ausgetreten. Straches Protegé und enger Vertrauter war jahrelang aufgebaut worden. Er lächelte von Plakaten herunter, schoss sich medial auf die rot-grüne Stadtregierung ein und galt als "Straches Statthalter". Er stand für die kommende Wien-Wahl 2020 als Spitzenkandidat in den Starlöchern, falls Strache nicht doch noch einmal kandidiert hätte. Ob Gudenus ein Zugpferd wie Strache gewesen wäre, ist unklar, zumindest aber besaß er einen ansehnlichen Bekanntheitsgrad.

Einen solchen müssen sich andere freiheitliche Funktionäre erst erarbeiten. Die Personaldecke der Wiener Landespartei ist dünn. Diese wird derzeit interimistisch von der zweiten Präsidentin des Wiener Landtags, Veronika Matiasek, geleitet; Klubobmann Anton Mahdalik ist bisher durch eigenwillige Aktionen aufgefallen. Zuletzt verkleidete er sich in einem Video als Cowboy und erklärte, dass die Stadtregierung Hunde hasse. In der Causa Strache ist er nun mit Rücktrittsforderungen der Neos und der Grünen konfrontiert. Mahdalik hat nämlich jene Pressemeldung über Haselsteiner geschrieben, die Gudenus auf Wunsch der "Oligarchentochter" in Umlauf gebracht haben soll (siehe Seite 6). Mahdalik betonte, dass diese Aussendung keine Auftragsarbeit für Gudenus oder sonst jemandem gewesen sei.