Wien. (dab) Der Wiener Gemeinderat hat am Dienstag die Flächenwidmung für ein umstrittenes Bauprojekt in Ottakring beschlossen. Das Areal liegt bei der Gallitzinstraße 8-16 und wurde bisher von einer Friedhofsgärtnerei benutzt. Nun wurde das Grünland mit den Stimmen der Wiener SPÖ und Grünen in Bauland umgewidmet. 200 Wohnungen sollen dort entstehen. Die Stadtregierung spricht von einem "ökologischen Vorzeigeprojekt", Opposition und Anrainer üben Kritik und fordern eine Neuplanung.

Die Bürgerinitiative "Pro Wilhelminenberg 2030" sieht in dem Projekt eine "ortsfremde Massivverbauung". Sie befürchtet, dass es nur der Startschuss für weitere Bauvorhaben ist und der Wilhelminenberg sukzessive verbaut wird. Besonders die Dimension des Projekts ist den Gegner ein Dorn im Auge: Die geplanten Bauten werden mehrheitlich der Bauklasse 3 angehören, sie können bis zu 16 Meter hoch werden. Ortsüblich sei in diesem Gebiet aber die Bauklasse 1, die nur maximal neun Meter hohe Gebäude erlaubt, führen die Anrainer aus.

Das Projekt sei nicht "überdimensioniert", entgegnete Gemeinderat Peter Kraus (Grüne) am Dienstag im Wiener Gemeinderat. Vielmehr sei eine noch dichtere Verbauung möglich gewesen, die Stadt Wien habe das aber abgelehnt. Der Bau biete leistbaren Wohnraum, dank Fassadenbegrünung, Nisthilfen für Vögel und Dachgärten erfülle er auch "hohe ökologische Vorgaben", so Kraus.

Bürgerinitiative will
Verordnung bekämpfen

Seitens der SPÖ wird betont, dass die Anrainer ausführlichst eingebunden und informiert worden seien; auch ihre Anliegen seien bei der Planung berücksichtigt worden. Die Bürgerinitiative "Pro Wilhelminenberg 2030" und die Oppositionsparteien bestreiten das. Es sei den Wünschen der Bauträger, aber nicht jenen der Bürger nachgekommen worden, so der Tenor. ÖVP und Neos fordern einen Stopp und die Neuplanung des Bauvorhabens.

"Pro Wilhelminenberg 2030" will die Flächenwidmung, die rechtlich eine Verordnung ist, nun beim Verfassungsgerichtshof anfechten, so eine Sprecherin der Initiative zur "Wiener Zeitung". Die "Anlasswidmung" sei rechtswidrig zustande gekommen, Bauträger gleichheitswidrig behandelt worden, kritisiert sie.