2012 präsentierte Michael Ludwig erstmals das Modell der Smart-Wohnungen, im Sommer 2015 wurden die ersten 24 Smart-Wohnungen in der Albert-Schweitzer-Gasse beim Auhof Center den Mietern übergeben. Die Mieten sind mit einer Brutto-Miete von 7,50 Euro pro Quadratmeter preislich mit Gemeindewohnungen vergleichbar. Der Finanzierungsbeitrag beträgt maximal 60 Euro pro Quadratmeter. Ein Beispiel: Für eine 2-Zimmer-Smart-Wohnung mit 55 Quadratmeter, Wohnküche, Schlafzimmer, Bad, WC, Abstellraum und  Balkon, machen die monatlichen Kosten inklusive Betriebskosten und Steuer 412,50 Euro, die Eigenmittel um die 3300 Euro aus. Die Smart-Wohnungen sind in der Planung kompakter als klassische geförderte Wohnungen und reichen von 1 Zimmer mit 40 Quadratmetern über 4-Zimmer-Wohnungen mit 70 Quadratmeter bis zu 5 Zimmer mit 100 Quadratmeter. Die Fördervoraussetzungen bleiben unverändert.

Sozialer Wohnbau als Mittelstandsförderung

Von den 8700 Smart-Wohnungen sind in Wien 2400 fertig gestellt, 2.600 in Bau und 3700 in der Planungsphase.
"Durch die Smart-Wohnungen wird die soziale Durchmischung intensiviert", sind sich Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal, wie auch Bernd Riessland, Obmann der Gemeinnützigen einig. "Sozialer Wohnbau ist nicht für die Ärmsten der Armen, wie es in anderen Ländern der Fall ist. Es ist eine Mittelstandsförderung. In Wien haben wir keine soziale Segregation, wie es beispielsweise in den Pariser Vorstädten der Fall ist. In Wien kann man an der Adresse nicht die soziale Herkunft oder das Gehalt ablesen. Dass das jetzt weiter verstärkt wird, ist eine gute Sache", sagt Michael Pech, stellvertretender Obmann Gemeinnützige Wien. Es sei die richtige Maßnahme zum richtigen Zeitpunkt. Ob es für die Ewigkeit sein werde, ist eine andere Frage, so Pech.

In Wien gibt es 220.000 Gemeindewohnungen sowie 200.000 gemeinnützige Wohnungen. "Mehr als die Hälfte der Wiener lebt in einem geförderten Wohnbau oder in einem Gemeindebau. Das dämpft den Wohnungspreismarkt", erläutert Josef Ostermayer, Obmann Gemeinnützige Wien. Nachsatz: "Wir hatten voriges Jahr aufgrund der gestiegenen Baukosten das Problem, dass wir kaum brauchbare Preise bekommen haben und wir eigentlich nicht mehr in der Förderung bauen konnten. Das Glück war, dass die Bauordnungsnovelle in Vorbereitung war und das Instrumentarium der Widmungskategorie noch eingefügt wurde." Ostermayer sieht die 2018 eingeführte Widmungskategorie "geförderter Wohnbau" – bei der Umwidmungen müssen zwei Drittel des Areals für den geförderten Wohnbau umgewidmet werden – sowie die gesetzlich geregelte Grundstückspreisdeckelung von maximalen 188 Euro pro Quadratmeter als ersten Schritt, die nun angekündigte Smart-Wohnungsoffensive als weitere wichtige Maßnahme an. "Es ist in extrem kurzer Zeit reagiert worden, so dass sich der Knoten wieder auflöst", so Ostermayer.

 

"Keine ganzheitliche Betrachtung"

Kritischer betracht Christian Peer von der Technischen Universität das Vorhaben, die Smart-Vorhaben aufzustocken. "Bei der Stadt liegt der Fokus der Leistbarkeit immer der nur auf das Wohnen. Wir sprechen heute aber von der leistbaren Urbanität.  Man kann nicht nur Smart-Wohnungen bauen, wenn zugleich Strom und Wasser teurer werden und zugleich es immer schwieriger wird, in der Stadt leistbare Arbeitsflächen zu finden", sagt Peer. Die Stadt tendiere dazu, Wohngegenden zu machen, wo man leistbar wohnt, aber die Urbanität in der Leistbarkeit immer mehr abnehme.