Wien. 142.571 Menschen haben im Schnitt im vergangenen Jahr in Wien Mindestsicherung bezogen. Erstmals seit der Einführung 2011 ist damit die Zahl der Bezieher rückläufig - um fünf Prozent gegenüber 2017. Der Gesamtaufwand ist ebenfalls gesunken - von 680,6 auf 659,6 Millionen Euro.

Allerdings zeigt der von Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ) vorgelegte Jahresbericht auch negative Entwicklungen: Ältere Menschen waren entgegen dem allgemeinen Trend häufiger auf Mindestsicherung angewiesen. Während in Wien weniger Österreicher Sozialhilfe bezogen haben, ist die Zahl der Ausländer und Asylberechtigten bei den Beziehern nochmals deutlich gestiegen.

Hauptgrund für den generellen Rückgang sind die gute Wirtschaftslage und bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die Folge war, dass in Wien im Vorjahr im Jahresschnitt 7579 Menschen weniger Mindestsicherung erhalten haben. In Wien lebten mit 142.571 Beziehern viel mehr als die Hälfte aller Menschen, die österreichweit auf Sozialhilfe angewiesen waren. Wien ist insofern vorbildhaft, weil bundesweite Daten für 2018 frühestens im September vorliegen werden.

Deutlicher Rückgang bei Jugendlichen bis 25 Jahren

Nachdem die rot-grün regierte Bundeshauptstadt wegen der Mindestsicherung Hauptzielscheibe der Kritik der ÖVP-FPÖ-Bundesregierung war, rückten Hacker und die Leiterin der zuständigen MA 40, Agnes Berlakovich, die positiven Trends in den Vordergrund. Besonders gilt das bei jungen Beziehern zwischen 19 und 25 Jahren, wo der Bezieherkreis um 18 Prozent kleiner geworden ist. SPÖ und Grüne haben bei der im Vorjahr beschlossen Reform bei dieser Bevölkerungsgruppe besonders angesetzt.

Ausdrücklich aufmerksam gemacht wurde bei der Präsentation am Freitag auf die bedenkliche Entwicklung bei älteren Menschen. Bei den über 60-Jährigen betrug das Plus zwei Prozent, bei den Über 65-Jährigen erhielten drei Prozent mehr Sozialhilfe. Bei den 55- bis 60-Jährigen waren es entgegen dem allgemein rückläufigen Trend gleich viele wie 2017. Teilweise liegt der Grund darin, dass auch die Lage für Ältere am Arbeitsmarkt nach wie vor alles andere als rosig ist.

Für viel Diskussionsstoff hat in der politischen Debatte die Zahl der Bezieher nach Staatszugehörigkeit gesorgt. Weniger als die Hälfte der Bezieher der Mindestsicherung in Wien sind Österreicher (46 Prozent). Deren Zahl ist von 73.861 im Jahr 2017 auf 66.266 im Jahr 2018 gesunken.