Wien. Maria Vassilakou weiß, was sie will. Sie sucht sich aus, mit wem sie redet, egal, ob es sich um Parteikollegen oder Journalisten handelt. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Zeigt ihr Daumen nach unten, lässt sie schon einmal ausrichten, dass sie zwar für ein Gespräch mit Journalist A, aber nicht mit Journalist B bereit ist. "Es kriegt nicht jeder ein Interview", erklärt ihre Sprecherin. Wer ihr nun Arroganz und fehlendes Demokratieverständnis unterstellt, sieht aber nur die eine politische Seite der Wiener Vizebürgermeisterin. Es ist vor allem ihr Machtbewusstsein, das Vassilakou ausmacht, das sie fast neun Jahre im Amt hielt. Am Mittwoch tritt sie zurück.

Von Anfang an wehte ihr eine steife Brise entgegen. Sie musste sich wehren, rechtfertigen, erklären. Als Grüne, als Gleichgewicht zwischen linken Fundis und bürgerlichen Realos in der Partei, als Frau, als Migrantin. Da war es schon egal, dass sie neben Planung auch noch Stadträtin für das Reizthema Verkehr wurde. "Du wirst berühmt werden, aber sie werden dich hassen", sagte ihr Vertrauter und Verkehrssprecher Rüdiger Maresch in weiser Voraussicht. Sie kümmerte sich nicht darum. "Was kann Strache Grauslicheres passieren als eine Migrantin als Vizebürgermeisterin?", stichelte sie. Maria Vassilakou wurde zur streitbarsten Politikerin weit über die Stadtgrenzen hinaus. Die Grünen führte sie in lichte Höhen, endete jedoch im freien Fall.

Michael Häupl unterschätzte seinen neuen Koalitionspartner.
 - © APA/ROLAND SCHLAGER
Michael Häupl unterschätzte seinen neuen Koalitionspartner.
- © APA/ROLAND SCHLAGER

Geboren vor 50 Jahren als einziges Kind einer Goldschmiedin und eines Bauunternehmers, wuchs sie am Stadtrand von Athen zwischen Olivenhainen und Weinfeldern auf. "Ich hatte eine glückliche Kindheit", sagt Vassilakou. "Nach der Schule schwirrten wir aus, niemand rief nach uns, bis die Sonne unterging." Dann kamen die Bagger, es wurde gebaut. "Alles, was ich liebte, verschwand in einer Beton- und Asphaltwüste." Das prägte sie, genauso wie die Militärjunta, die Griechenland damals beherrschte. Der Weg als grüne Politikerin war vorgezeichnet.

"Wasch dir die Hände"

Zuerst wollte sie noch als Dolmetscherin in Wien arbeiten. Doch bald nach ihrer Ankunft im Oktober 1986 verwirft sie diesen Plan. Der Grund dafür ist Jörg Haider, der kurz vor Vassilakous Ankunft die Macht in der FPÖ ergriff und in der Folge einen Ausländer-raus-Wahlkampf mit braunem Anstrich führt.

Bei einem Spaziergang durch die Stadt stößt Vassilakou auf Haider, der gerade Menschen begrüßt. "Er hat auch mir die Hand gegeben und ich dachte noch, wie höflich er ist", erzählte Vassilakou einmal der griechischen Tageszeitung "Ethnos". Wenig später sieht sie jedoch ein großflächiges Plakat mit seinem Gesicht. Und als sie ihrer Vermieterin von Haider erzählt, "beginnt sie zu schreien und meinte, ich solle mir die Hände waschen gehen".