Wien. Wien will Konflikte im öffentlichen Raum künftig besser entschärfen bzw. diese gleich vermeiden. Deshalb überprüft die Stadt ab sofort rund 40 Verkehrsknotenpunkte in regelmäßigen Abständen, um Problemzonen überhaupt erkennen zu können. Ergibt sich für bestimmte Standorte ein Handlungsbedarf, sollen Maßnahmen gesetzt werden, sagte Wiens Sucht- und Drogenkoordinator Ewald Lochner am Montag.

Als Verkehrsknotenpunkt gilt laut Lochner, wenn sich mindestens zwei Öffi-Linien kreuzen und es sich zusätzlich um eine Fläche handelt, wo sich unterschiedliche Nutzergruppen aufhalten können. Stadtweit gebe es derer in etwa 40. Sie werden ab sofort alle drei bis sechs Monate bewertet - im Bedarfsfall auch öfter. Grundlage dafür ist ein Punkteschema, das auf alle Standorte angewendet wird. Daraus ergeben sich unterm Strich vier Dringlichkeitsstufen, denen Farben zugeordnet sind. Weiß bedeutet gar kein Handlungsbedarf, Grün, Gelb und Rot heißt geringer, mittlerer und hoher Handlungsbedarf.

Drei Hotspots an der U6

Bei einem ersten Testlauf waren - abgesehen vom Praterstern - drei U6-Stationen in die rote Kategorie gefallen. Das sind die Gumpendorfer Straße, die Josefstädter Straße und der Franz-Jonas-Platz vor dem Bahnhof Floridsdorf. Sie wurden als Hotspots bereits in der Vorwoche präsentiert und sollen nun mit speziellen, hauptsächlich sozialarbeiterischen Maßnahmen entschärft werden.

Lochner nannte heute Beispiele für die unterschiedlichen Kategorien, nach denen ein Standort bewertet wird. Maßgeblich ist dabei etwa die Frequenz, wobei hier eine Zahl ab 50.000 Menschen pro Tag als Schwellenwert gilt. Wichtig für das Problempotenzial ist auch die Frage, wie unterschiedlich die Nutzung der betreffenden Fläche ausfällt. Die Beschwerdelage wird ebenfalls berücksichtigt. In die Bewertung fließt die Erfahrungen vieler Stellen mit ein - von Suchthilfe und Fonds Soziales Wien über Polizei bis zu Wiener Linien und ÖBB.

Als Beispiel für einen großen Verkehrsknotenpunkt, der derzeit keine Probleme macht, nannte der Drogenkoordinator den Stephansplatz. Hier sei die Frequenz zwar hoch, aber es gebe kaum Aufenthaltsmöglichkeiten und der Ort werde fast ausschließlich von Touristen und Büromenschen genutzt, erklärte Lochner. Grundsätzlich gelte: Je kleiner der zur Verfügung stehende Raum und je mehr Gruppierungen, desto höher die Konfliktgefahr. Wien-Mitte gilt demnach als Verkehrsknotenpunkt mit geringem Handlungsbedarf. "Wir werden dort sicherlich Sozialarbeiter hinschicken", so Lochner.

Das neue Konzept mit seinen Kriterien soll auch bei der Planung künftiger Verkehrsknotenpunkte miteinfließen. Als Beispiel wurde die U-Bahn-Station Pilgramgasse genannt. Sie wird derzeit groß umgebaut, da dort neben der U4 auch die U2 nach Inbetriebnahme der neuen Linienführung halten wird.(apa)