Wien. Es handle sich um ein exzellentes Konzert, philharmonische Musiker seien dabei und berühmte Sänger, ja sogar eine Nummer-Eins-Sängerin der Staatsoper trete auf; und was es nicht noch für Plätze gebe, exzellent seien die, und zwei von sechs Eintrittskarten seien sogar gratis zu haben.

Mit einem Redeschwall überschwemmt der Mozartverkäufer die asiatische Gruppe, die er vor dem Stephansdsom abgefangen hat. Er und ein gutes Dutzend seiner Kollegen sind an diesem Donnerstagvormittag, mit Mappe und Flyer bewaffnet, wieder auf Touristenfang. Ihre Blicke spazieren über den Platz, in Kostüme gehüllt, werben die Ticketverkäufer für ihre Ware: "Mozart, Vivaldi, Konzerte, heute, morgen!"

Den Perücken geht es nun aber an den Kragen. Die Stadt Wien und Bezirksvorstehung der Innenstadt wollen den aus ihrer Sicht ausufernden und aufdringlichen Verkauf eindämmen. Nur mehr eine limitierte Anzahl von Händlern soll künftig in bestimmten Zonen Tickets verkaufen dürfen.

"Millionen werden belästigt"

"6,4 Millionen Menschen besuchen jährlich den Stephansdom. Wahrscheinlich 5 Millionen davon werden von 40 Verkäufern belästigt", ärgert sich Dompfarrer Toni Faber bei einem Pressetermin am Donnerstag. Besonders die Gläubigen, die den Gottesdienst besuchen, seien über die Anwerbungsversuche der Mozarthändler erbost, so Faber.

"Es ist ja schön, wenn es ein kulturelles Angebot gibt, aber das muss anders gemacht werden", betont auch der Wiener Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ). Es gebe mittlerweile einfach spürbar zu viele Verkäufer, die sich alle auf die gleichen Orte - wie etwa beim Eingang zum Stephansdom - konzentrieren.

Abhilfe soll eine Novelle zum Gebrauchtabgabengesetz schaffen. Das Gesetz regelt, wie öffentlicher Gemeindegrund gebraucht werden kann und was dafür zu bezahlen ist - dazu zählen etwa die Gebühren für Schanigärten. Nun soll in das Gesetz die Kategorie "Kartenverkäufer" eingeführt werden: Die Händler müssen künftig eine Gebrauchserlaubnis beantragen, pro Verkäufer wird monatlich eine Abgabe von 150 Euro fällig. Dadurch sei es auch erstmals möglich, die Anzahl an Verkäufern zu definieren und festzulegen, auf welchen Plätzen und in welchen Straßen sie verkaufen können, so Hanke.

Welche Orte das sein werden, wie viele Verkäufer dort tätig sein dürfen und wie das Ganze konkret ablaufen wird: Dazu gibt es noch keine Details. Vor dem Riesentor beim Dom sollen die Mozartverkäufer aber jedenfalls nichts mehr stehen dürfen. Eine "Respektzone Stephansplatz" solle geschaffen werden, sagte Markus Figl (ÖVP), Bezirksvorsteher der Inneren Stadt. Denn der Nutzungsdruck sei in der Inneren Stadt bereits jetzt "enorm". Er wünscht sich daher eine "deutliche Beschränkung".

"Weniger Konkurrenz"

Die Begutachtungsfrist für die Novelle endet Ende Juli, im September soll sie dann im Wiener Landtag beschlossen werden. Anschließend wird sie vermutlich im Spätherbst oder zu Jahresbeginn in Kraft treten.

Die Mozartverkäufer scheinen die neuen Vorgaben gelassen zu nehmen. Die Zonen und anderen Regeln seien ja vielleicht gar nicht so schlecht, erklärt ein jüngerer Mann der "Wiener Zeitung": "Dann gibt es weniger Konkurrenz."