Wien. In ländlichen Bezirken in den Bundesländern sind fehlende Haus- und Fachärzte längst keine Seltenheit mehr. Dabei bemühen sich Bürgermeister, mit diversen Anreizen praktische Ärzte in ihre Gemeinden zu locken.

Aber man muss gar nicht ins Waldviertel oder ins Innviertel schauen, um weiße Flecken bei der unmittelbaren Versorgung von Patienten, die sich keinen Privatarzt leisten können, zu finden. Selbst mitten in der Großstadt sind Praxen mit Kassenvertrag für Allgemeinmediziner bisweilen zu wenig attraktiv.

In Favoriten, Wiens bevölkerungsreichsten Bezirk mit 204.000 Einwohnern, musste daher zu Jahresbeginn ein finanzielles Zuckerl verteilt werden, um Bewerber als Hausärzte anzulocken. Zwei Kassenarztstellen in Favoriten konnten seit dem Start der Förderaktion besetzt werden, erklärte die Wiener Gebietskrankenkasse der "Wiener Zeitung". Derzeit ist damit keine Kassenarztpraxis, für die eine Standortförderung von 44.000 Euro vorgesehen ist, frei.

Bei den Kinderärzten ist die Situation in Wien für Eltern wenig befriedigend. Denn es mangelt in der Bundeshauptstadt an Praxen mit einem Kassenvertrag. Dieses Manko ist noch nicht behoben worden. Zwar konnten seit Beginn der Förderaktion drei Kassenstellen mit Kinderärzten besetzt werden. Allerdings waren mit Stand vom Dienstag immer noch elf Stellen ausgeschrieben.

Problemfeld Kredit

In Hietzing, Döbling und in der Donaustadt haben sich seit Jahresbeginn Kinderärzte mit Kassenvertrag niedergelassen. Bald könnte die Lücke mit fast einem Dutzend offener Stellen deutlich geschlossen werden. Mit Ende Juli läuft die Bewerbungsfrist für sechs weitere Kinderarztpraxen in Wien aus, für fünf weitere Praxen endet die Ausschreibungsfrist dann am 31. August.

Michaela Schrödl war als Allgemeinmedizinerin heuer im April die erste Ärztin, die mit einer Förderung, die aus Mitteln des Wiener Gesundheitsfonds finanziert wird, eine Ordination mit einem Vertrag der Wiener Gebietskrankenkasse in der Gudrunstraße in Favoriten übernommen hat. Für sie war die damit verbundene Förderung tatsächlich ein Anreiz. Das Problem dabei: Nahezu alle Ärzte bräuchten einen Kredit, um "die Ordinationsgründung zu stemmen", schilderte sie.

In der Wiener Gebietskrankenkasse sieht man die Besetzung von vorerst insgesamt fünf offenen Stellen dank finanzieller Unterstützung jedenfalls als "Erfolg für die medizinische Versorgung in Wien" an. Deswegen hat die Kasse auch die Hoffnung, dass die jetzt ausgeschriebenen Plätze nachbesetzt werden können.

Ein Hauptproblem ist, dass für Medizinstudenten und angehende Ärzte die Arbeit im Krankenhaus als attraktiver gilt. Nicht nur, wenn es um freie Stellen für einen Hausarzt mit Kassenvertrag in einer entlegeneren Region in Österreich geht.

Favoriten mit seinem hohen Anteil an Migranten gilt außerdem als einer der besonderen Problembezirke in Wien. Insgesamt rund zehn Praxen sollen allein im zehnten Gemeindebezirk mit finanzieller Unterstützung mittelfristig besetzt werden, lautete das Ziel der Wiener Kasse bei der Förderaktion.

Vorerst handelt es sich dabei um ein Pilotprojekt zur Verbesserung der Versorgung im niedergelassenen Bereich. Gerade in Wien gehen Patienten bei Beschwerden häufig gleich direkt in die ohnehin überbelasteten Spitalsambulanzen statt zum niedergelassenen Arzt im Grätzl.

Projekt mit Ende 2020 befristet

Das Pilotprojekt ist mit 31. Dezember kommenden Jahres befristet. Eine Ausweitung auf andere Bezirke gilt als nicht ausgeschlossen. Davor steht allerdings eine entscheidende organisatorische Änderung im Gefüge der Sozialversicherung auf dem Kalender.

Mit 1. Jänner geht die Wiener Gebietskrankenkasse wie auch die Kassen in den weiteren acht Bundesländern nach einer Megafusion in der österreichischen Gesundheitskasse auf. Dort wird dann entschieden, wie es mit der medizinischen Förderzone Favoriten weitergeht.