Eine Beschränkung der Wahlärzte sei gerechtfertigt, weil deren Studium vom Steuerzahler bezahlt werde, so Hacker. - © apa/dpa/Jens Büttner
Eine Beschränkung der Wahlärzte sei gerechtfertigt, weil deren Studium vom Steuerzahler bezahlt werde, so Hacker. - © apa/dpa/Jens Büttner

Wien. (ett) Lange Wartezeiten in den Ordinationen von Hausärzten, der Mangel an Fachärzten und Allgemeinmedizinern mit Kassenvertrag führen zu neuen Vorschlägen in der Wiener Gesundheitspolitik. Mit einem brisanten Vorstoß "zum Nachdenken" , wie der "Wiener Zeitung" in seinem Büro erklärt wurde, lässt Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) nun aufhorchen.

Die neue Gesundheitskasse und die Ärztekammer sollten demnach Beschränkungen bei der Zahl der Wahlärzte überlegen. Die Praxen dieser Privatärzte, bei denen Patienten einen Teil der Leistungen von der Krankenkasse abgegolten bekommen, haben zugenommen. Die Wiener Ärztekammer kann der Idee nichts abgewinnen. Denn Hacker gehe damit am eigentlichen Kern des Problems vorbei.

Druck für mehr Kassenstellen

Der Stadtrat wolle, dass eine Diskussion über die Beschränkungen für Wahlärzte geführt werde, hieß es aus dem Rathaus. Einen genaueren Plan gibt es aber noch nicht. Hacker war im "Kurier" mit den Überlegungen zur Eindämmung der wachsenden Zahl an privaten Wahlärzten im niedergelassenen Bereich vorgeprescht.

Der SPÖ-Politiker wolle damit den Druck erhöhen, dass im niedergelassenen Bereich mehr Kassenstellen für Allgemeinmediziner und Fachärzte vergeben werden. Denn inzwischen müssten auch Menschen mit niedrigem Einkommen Wahlärzte aufsuchen, um rasch behandelt zu werden. Das Honorar bekämen Patienten nur zum Teil rückerstattet.

Hacker hält eine Beschränkung der Zahl der Wahlärzte für gerechtfertigt, weil deren Studium jahrelang öffentlich und damit von den Steuerzahlern bezahlt werde. Gleichzeitig hätten Wahlärzte keinen Versorgungsauftrag.

Der Gesundheitsstadtrat forderte am Mittwoch Gesundheitskasse und Ärztekammer gleichzeitig auf, den Beschluss vom März dieses Jahres umzusetzen und bis 2025 zusätzlich 400 Ärzte im ambulanten Bereich zu bestellen. Die Stadt Wien begrüße, wenn dieses Kontingent schon früher erfüllt werde. Denn damit würden die Wartezeiten in den Ordinationen insgesamt und auch jene in den Spitalsambulanzen verkürzt. Laut Hacker hat der Zustrom zu den Wiener Spitalsambulanzen in den vergangenen Jahren um zehn Prozent zugenommen, die Bevölkerungszahl in Wien sei hingegen nur um fünf Prozent gewachsen.

"Patienten gefährdet"

Der Obmann der Kurie der angestellten Ärzte und Vizepräsident der Wiener Ärztekammer, Wolfgang Weismüller, zeigte sich über diese Pläne verwundert. Einerseits übersteige dies die gesetzlichen Möglichkeiten des Stadtrates, erklärte Weismüller. Andererseits treffe Hacker damit die Patienten. Denn die Ordinationen der Wahlärzte würden einen wachsenden Anteil der Versorgung durch niedergelassene Ärzte darstellen, "ohne den der Kassensektor wohl über kurz oder lang kollabieren würde".

Gefordert werden 300 Ärzte zusätzlich. Wer Wahlarztpraxen schließen wolle, ohne für entsprechenden Ersatz zu sorgen, "gefährdet Patienten", warnte Weismüller. Der tatsächliche Mangel an Ärzten bestehe in Krankenhäusern, in Notaufnahmen und auch in Kassenordinationen.