Wien. Vor rund einem Jahr ist Josef Taucher von der Wiener SPÖ zum Klubchef gewählt worden. Taucher kommt aus einem der sogenannten Flächenbezirke, die sich damals im Kampf um die Nachfolge von Ex-Bürgermeister Michael Häupl mehrheitlich für Michael Ludwig als seinen Nachfolger starkgemacht hatten. Der gebürtige Grazer, der vor seiner Politikkarriere Klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe war, ist politisch in der Donaustadt verankert. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erzählt über den Zustand der Wiener Partei und über den startenden Wahlkampf zur Nationalratswahl.

"Wiener Zeitung":Wie geht es heute der Wiener SPÖ aus Sicht des nun ein Jahr lang amtierenden Klubobmannes?

Josef Taucher:Also dem SPÖ-Klub geht es hervorragend. Gemeinsam mit den Mandatarinnen und Mandataren sowie Bezirksvorsteherinnen und Bezirksvorstehern haben wir im Laufe des vergangenen Jahres eine gute Linie gefunden. Ein Ausdruck dessen ist zum Beispiel die Wahl von Birgit Hebein zur Vizebürgermeisterin, die einstimmig ausgefallen ist - mit 54 von 54 möglichen Stimmen. Früher wurde ja immer von einer Spaltung zwischen den Bobos innerhalb des Gürtels und den Vorstadtcowboys in den sogenannten Flächenbezirken gesprochen. Damit ist es jetzt vorbei.

Weil Sie selbst ein Vorstadtcowboy wie Bürgermeister Ludwig sind?

Ja, ich werde einem Flächenbezirk zugerechnet und selbstverständlich habe ich Michael Ludwig gewählt. Aber ich habe mich nie als Vertreter eines Flächenbezirks gesehen - denn ich habe sehr gute Kontakte zu allen Bezirken, zumal ich sieben Jahre lang zehn Bezirke in Sachen Bürgerbeteiligung betreut habe. Da gibt es über Jahre hinweg ein sehr gutes Vertrauensverhältnis. So gesehen bin ich beides: Bobo und Vorstadtcowboy.

Sie sagen: "Selbstverständlich habe ich Ludwig gewählt" - macht diese Aussage nicht die Spaltung deutlich bzw. was war falsch an Andreas Schieder?

Michael Ludwig war mir einfach immer viel näher, nicht zuletzt, weil mich mit ihm, als er noch Wohnbaustadtrat war, eine langjährige Zusammenarbeit verbindet. Auch Schieder ist ein hervorragender Sozialdemokrat. Mir erschien persönlich immer Ludwig als kommunalpolitischer Bürgermeister besser geeignet.

FPÖ-Vizebürgermeister Dominik Nepp hat aber im Interview mit der "Wiener Zeitung" gemeint, die SPÖ sei nach wie vor in ein linkes und rechtes Lager gespalten.

Da geht es wohl um Geschichten, die man erzählen will, um eine neue Spaltung herbeizureden. Aber ich versichere Ihnen, alles was bei uns an Entscheidungen passiert, ist akkordiert. Dass es unterschiedliche Meinungen gibt und die einzelnen Bezirke unterschiedliche Prioritäten oder auch Kulturen haben, ist verständlich und aus demokratischer Sicht sogar wichtig. Und ich setze meine Zeit dafür ein, Konsens zu erzeugen, alle mitzunehmen und die verschiedenen Bedürfnisse gut aufeinander abzustimmen.