- © apa/Herbert Pfarrhofer
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Wien. Das Wiener Krankenhaus Nord sorgt wieder einmal für Debatten. Anlass war diesmal die am Freitag geäußerte Kritik der Ärztekammer, wonach im Großspital in Floridsdorf Personalnot herrsche. Der Krankenanstaltenverbund (KAV) widersprach, Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) verwies auf anstehende Personalvertretungswahlen im KH Nord. Die Opposition schäumte dennoch.

"Es dürften an die 70 Dienstposten fehlen und an die 100 Ärzte", sagte Wolfgang Weismüller, Vizepräsident der Wiener Ärztekammer, in einem Bericht des Ö1-"Morgenjournals". Das liege daran, dass für das KH Nord - es heißt offiziell inzwischen Klinik Floridsdorf - falsch gerechnet worden sei. "Dramatisch" sei die Situation auch im Pflegebereich, vor allem bei der OP-Pflege, schlug Weismüller Alarm.

"Auf bestem Weg
in Richtung Vollbetrieb"

Der KAV wies dies via Aussendung zurück. Die Aussagen des Kammer-Vizes entsprächen "schlicht nicht den Fakten". "Der Inbetriebnahme-Prozess des Krankenhauses Nord liegt voll im Plan. Das betrifft auch die Besetzung von Dienstposten für ÄrztInnen, den Pflege- sowie den Verwaltungsbereich", hielt der städtische Spitalsbetreiber fest. "Wir sind auf dem besten Weg in Richtung Vollbetrieb", versicherte KAV-Direktor Herwig Wetzlinger. Seit der Übersiedlung in das neue Krankenhaus vor zwei Monaten würden die Systeme dort nach einem Stufenplan nach und nach hochgefahren. "Ich verstehe nicht, warum Dr. Weismüller mit falschen Aussagen die Belegschaft verunsichert", kritisierte Wetzlinger den Kammervertreter.

Stadtrat Hacker wollte sich am Rande eines Pressetermins gar nicht allzu lange mit den Angaben der Kammer aufhalten. "Wir stehen kurz vor Personalvertretungswahlen im KH Nord. Herr Weismüller ist bei einer der wahlwerbenden Fraktionen", kommentierte er dessen Aussagen. Er werde sicher nicht als "Schiedsrichter im Wahlkampf" zur Verfügung stehen, betonte der Ressortchef.

Die Rathaus-Opposition schoss sich einstweilen trotzdem auf Stadt und KAV ein. Für FPÖ-Gesundheitssprecher Wolfgang Seidl ist das KH Nord "das über Landesgrenzen hinweg bekannteste und exemplarischste Negativbeispiel für die politische Unfähigkeit der rot-grünen Wiener Stadtregierung", wie er in einer Aussendung konstatierte.

Opposition: "Gesundbeten"
und "Schildbürgerstreich"

ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec verlangte vom KAV, dass "das Gesundbeten" von Problemen beendet werden müsse. Sie sah ein negatives Beispiel "für die Unfähigkeit und das Missmanagement im Wiener Krankenanstaltenverbund".

Neos-Klubchef Christoph Wiedekehr ärgerte sich darüber, dass Rot-Grün die Kammer-Warnungen "weiterhin ignoriert". Es sei im Zusammenhang mit dem Großbau der "nächste Schildbürgerstreich, wenn man Personalpläne so falsch berechnet, dass bereits zum Start die KH Nord-Belegschaft mit massiven Überstunden den Betrieb aufrechterhalten muss".