Wien. In Wien sollen rund 500 Arbeitslose, die älter als 50 Jahre alt sind, einen Job bekommen. Damit will die Stadt die von ÖVP und FPÖ Anfang 2018 abgedrehte "Aktion 20.000" gewissermaßen neu beleben. Denn entgegen der Gesamtentwicklung sei der Abwärtstrend bei den Über-50-Jährigen zuletzt wieder "verebbt", sagte Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ)  in einer Pressekonferenz.

Anders als der noch unter Rot-Schwarz initiierten "Aktion 20.000" ist diesmal auch die Privatwirtschaft an Bord. Auch Unternehmen außerhalb des stadteigenen Bereichs hätten offene Stellen gemeldet, wurde versichert. Und Zielgruppe sind nicht nur Menschen, die bereits länger als ein Jahr keinen Job mehr haben. Wenn man länger als drei Monate beim AMS vorgemerkt ist, kann man sich bewerben.

Die Wiener "Joboffensive" läuft bis Ende 2020. Die Kosten in der Höhe von 12,2 Mio. Euro übernimmt zu zwei Dritteln das AMS, das restliche Drittel stelle die Stadt über den Wiener Arbeitnehmerförderungsfonds (waff) zur Verfügung, so Hanke. Angebote für einjährig befristete Dienstverhältnisse gebe es "quer durch alle Branchen", versicherte der Stadtrat - von Bürojobs über den Sozialbereich bis zum IT-Sektor. Ziel sei es, möglichst viele Personen auch nach Auslaufen der Aktion für längere Zeit als Mitarbeiter zu behalten.

Auftakt am 18. Spetember 2019

Offizieller Auftakt der Initiative ist die Info-Veranstaltung am 18. September in der Event-Location "Metastadt" in der Donaustadt. Personen, die für die Jobs infrage kommen, seien vom AMS angeschrieben worden, hieß es. Gerechnet wird mit 2.500 Teilnehmern, die dort auch gleich Bewerbungsfotos anfertigen lassen und mit den Stellenanbietern ins Gespräch kommen könnten, kündigte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) an.

Laut Bürgermeister wurden 1.800 offene Stellen von 65 Organisationen eingemeldet - ein großer Teil davon von der Gemeinde oder von stadteigenen Unternehmungen wie den Wiener Linien, dem Fonds Soziales Wien oder dem Krankenanstaltenverbund. Gesucht werden etwa Schulwarte, U-Bahn- und Straßenbahnfahrer, Bädermitarbeiter oder Köche. Caritas und Volkshilfe wiederum benötigen Personal für Möbeltransporte oder Reinigung. Auch Supermärkte und Bäckereien beteiligen sich.

Ludwig verwies darauf, dass ältere Menschen nach wie vor schlechte Karten am Arbeitsmarkt haben. Allerdings: "Das Vorurteil, dass Ältere teurer und mehr im Krankenstand sind, hält einer Überprüfung nicht stand." So seien junge Menschen zwar weniger lang, aber dafür häufiger krank gemeldet.

Abwärtstrend "verebbt"

Hanke untermauerte die Maßnahme mit jeder Menge Zahlen. Demnach ist etwa die Zahl der vorgemerkten Über-50-Jährigen von 2012 (21.713) bis 2018 (34.988) um 61 Prozent gestiegen. Der Anteil dieser Personengruppe an der Gesamtzahl der Arbeitslosen in Wien ist im selben Zeitraum von 20 auf 23,7 Prozent angewachsen.

Der Ressortchef führte außerdem an, dass in der Hauptstadt die Arbeitslosigkeit seit Mai 2017 kontinuierlich zurückgehe. Bei der Gruppe 50-Plus habe der Abwärtstrend erst im November 2017 begonnen und sei bereits im Juli 2018 wieder "verebbt". (apa)