Christoph Chorherr, ehemaliger Planungssprecher der Wiener Grünen, hat seine Parteimitgliedschaft zurückgelegt. Und zwar weil er mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert ist, wo es um einen angeblichen Zusammenhang zwischen Flächenwidmungen und Geldspenden an einen von ihm gegründeten karitativen Verein geht.

"Die Vorwürfe, die gemacht werden, stimmen nicht", betonte Chorherr. Es gebe keinerlei Zusammenhang zwischen den Spenden und politischen Handlungen seinerseits, als er noch Wiener Gemeinderat war. Er verstehe aber den Argwohn angesichts des Heumarkt- und des "Danube Flats"-Projekts. "Darum gibt es im Rechtsstaat eine Instanz, das ist die Staatsanwaltschaft, die führt umfangreiche Erhebungen durch", sagte er: "Ich bin überzeugt, dass da herauskommt, dass es keinerlei Eingriff von mir gab." Chorherr bekräftigte, dass er im Herzen ein Grüner sei. Er habe die Mitgliedschaft "jetzt" zurückgelegt, hoffe aber, nach Klärung der Vorwürfe wieder eintreten zu können.

Dass Chorherr nicht mehr Parteimitglied ist, hatte zuvor auch Bundessprecher Werner Kogler betont; er habe auch keine Funktionen mehr. Dass Chorherr von Immobilienfirmen Spenden angenommen hatte, auch wenn sie für den besten Zweck gedacht waren, bezeichnete Kogler gegenüber dem ORF als "schweren politischen Fehler". Auch Wiens grüne Vizebürgermeisterin Birgit He-bein sprach von einem "politischen Fehler" Chorherrs.

Spenden zurückgezahlt

Die Causa hat die Grünen kurz vor der Wahl dazu veranlasst, nun auch noch die die letzten Verbindungen zu ihrem Ex-Bundessprecher und den Financiers seiner Charity-Aktivitäten kappen. Wie am Freitag bekannt wurde, haben sie bereits am 3. September eine Spende in Höhe von 3499 Euro an Wilhelm Hemetsberger zurücküberwiesen, die sie am 20. August 2019 erhalten hatten. Hemetsberger ist einer der wesentlichen Unterstützer von Christoph Chorherrs Schulprojekt, das in Johannesburg sowie an einem weiteren Standort in Südafrika angesiedelt ist.

Unterdessen hat sich auch der Unternehmer Michael Tojner zu Wort gemeldet: Er habe definitiv nicht an den Verein Chorherrs gespendet, wie er am Freitag betonte. Auch ein Zusammenhang mit dem von ihm initiierten Heumarkt-Projekt gebe es nicht, hieß es in einer Stellungnahme seines Rechtsanwalts. Tojner war bereits 2017 mit dem Schulverein Chorherrs in Verbindung gebracht worden. Allerdings stand er damals nicht auf einer publik gewordenen Spendenliste, sondern er wurde im Zusammenhang mit einem Firmenverkauf genannt.

Grünes Schweigen

Vonseiten der Rathausgrünen wollte am Freitag niemand den Parteiaustritt Chorherrs kommentieren - "wir haben schon genug von ihm in den Medien", hieß es. Selbst eine Lobeshymne auf den im Februar aus der Politik geschiedenen Christoph Chorherr würde den von der Opposition mutwillig aufgebauten Korruptions-Frame nur noch verstärken. Vereinzelt meinte man aber vorsichtig: "Das hat er nicht verdient". Habe er doch jahrzehntelang mit Leidenschaft für seine Überzeugungen gekämpft.

Tatsächlich gehört Chorherr zu den Urgesteinen der Grünen: Mehr als sein halbes Leben hat der 58-Jährige der Parteiarbeit gewidmet, allein 27 Jahre davon im Wiener Gemeinderat. Chorherr kann durchaus als Mitbegründer der österreichischen Grünen bezeichnet werden: Mit deren Einzug in den Nationalrat begann der studierte Volkswirt für die neue Parlamentsfraktion als Referent für Wirtschafts-, Verkehrs- und Energiepolitik zu arbeiten. Als die Grünen 1991 auch in Wien den Sprung in den Landtag und Gemeinderat geschafft hatten, besetzte Chorherr eines der sieben errungenen Mandate. 1997 wurde er in Wien Klubobmann und führte seine Partei bei der Wien-Wahl 2001 als Spitzenkandidat in den zweistelligen Ergebnisbereich.

Chorherr galt als Pragmatiker, er strebte stets danach, Projekte lieber mit Abstrichen durchzusetzen, als sich ideologisch einzuzementieren. Insofern verhandelte er schon zu Oppositionszeiten gemeinsame Vorhaben mit der SPÖ aus, die damals dank absoluter Mehrheit noch alleine regierte. Chorherr gehörte außerdem zu jenen Grünen, die 2002 auf Bundesebene für Regierungsverhandlungen mit der ÖVP eingetreten waren. (apa/rös)