Verlassene leiden wie Hunde. Sie verlieren sich im Liebeskummer. Ertränken ihr Leid im Alkohol. Sie wollen die Trennung nicht wahrhaben. Versinken in Lethargie und Depression. Stalken. Kämpfen. Hat der Expartner dann jemanden Neuen, beginnt der Albtraum.

Simmering ist der Albtraum der SPÖ. Hier wurden ihre schlimmsten Verlustängste wahr. Nach langer Ehe war Schluss. Die Simmeringer suchten sich eine neue Liebe - die FPÖ. Seit vier Jahren sind sie nun liiert. 2020 will die SPÖ Simmering zurückerobern. Aber wollen die Simmeringer das auch?

Es ist kompliziert. Um das Verhältnis zwischen der SPÖ und Simmering zu verstehen, lohnt sich Vergangenheitsbewältigung. Über lange Jahre verstand man sich zunächst einmal blind. Simmering war der Prototyp einer roten Hochburg. Die Absolute war eine sichere Bank. Die Sozialdemokraten konnten sich auf ihre Wähler verlassen. Dafür bekamen sie Wohnungen und Arbeit. Eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Eine ergänzende Liaison über Jahre.

Der Bruch kam unerwartet. Zumindest für die Verlassenen. Die Wien-Wahl 2015 brachte ein politisches Novum. Zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt gewann die FPÖ die Mehrheit in einem Bezirk. Um läppische 401 Stimmen. Um ein Prozent. Nach 70 Jahren mussten die Sozialdemokraten den Sessel des Bezirksvorstehers für den blauen Paul Stadler räumen. Ausgerechnet hier. Wo aus jedem Gemeindebaufenster eine rote Fahne wehte. Der Schock saß tief unter den Bezirks-Genossen. Sie hatten das Ende nicht kommen sehen. Sie hatten nicht bemerkt, wie fremd man sich geworden war - die Simmeringer und die SPÖ.

Das neue Paar verstand sich prächtig. Die FPÖ legte auch nach der Wahl weiter zu. War Simmering nur die Vorhut? Ein Etappensieg auf dem Weg zum blauen Wien?

Keine "Sozis" in Simmering

Dann verbrachte Heinz-Christian Strache einen Abend auf Ibiza. Die FPÖ baute in ganz Wien einen Totalschaden. Doch in Simmering holte sie sich nur eine Delle. 20 Prozent der Simmeringer hielten den Freiheitlichen bei der Nationalratswahl Ende September die Stange. Trotz Ibiza. Trotz Spesenskandal. Und ohne Zugpferd Strache. Eine Ansage für die Wien-Wahl im kommenden Jahr. Denn da wird die Bezirksvertretung und nicht der Nationalrat gewählt. Und im Bezirk genießt Stadler hohes Ansehen. Noch schlimmer. Die enttäuschten FPÖ-Wähler kamen nicht zurück in den roten Schoß. Sie wählten in Scharen die ÖVP.

Wieso machen es die Simmeringer den Sozialdemokraten so schwer? Wieso sind sie so sauer auf die Genossen? Schließlich kümmerten sie sich über Jahrzehnte um ihre Anliegen. Bauten ihnen die U-Bahn vor die Nase. Versorgten sie mit günstigem Wohnraum. Gaben ihnen Arbeit. Was macht die SPÖ falsch in Simmering? Was die FPÖ richtig?