Wien verordnet sich eine eigene Kinder- und Jugendstrategie, die Anfang 2020 im Gemeinderat beschlossen werden soll. Das Besondere daran: Die Ideen und Wünsche von mehr als 22.000 Kids und Teenagern werden dabei berücksichtigt. Und die jungen Wiener sollen den Politikern auch in Sachen Umsetzung der einzelnen Maßnahmen auf die Finger schauen.

"Werkstatt Junges Wien" nannte die Stadt das Mitmach-Programm, in denen Kinder Anfang des heurigen Jahres eingeladen wurden, sich zu überlegen, wie ihre Stadt in Zukunft ausschauen soll. In zweistündigen Workshops konnte der Nachwuchs mit Unterstützung von Lehrern oder Experten seine Anliegen formulieren, aber auch Beschwerden festhalten, was in und an Wien gar nicht lässig ist.

Vor allem in Kindergärten, Horten und Schulen, aber auch in Jugendzentren oder Vereinen wurde das Projekt durchgeführt. Insgesamt nahmen 22.581 Sprösslinge - vorrangig im Alter zwischen sieben und 14 Jahren - in 1309 Workshops teil, freute sich Jugendstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) vor Journalisten. Denn damit sei die Zielvorgabe von 10.000 Teilnehmern mehr als doppelt erreicht worden.

Sämtlicher Input wurde inzwischen thematisch in neun Bereichen zusammengefasst. Was waren nun die Topthemen der Jugendlichen? Vor allem Natur und Umwelt wurde häufig genannt, die Wünsche der heranwachsenden Hauptstädter reichen von einer "Blumenpflicht" für alle Fenster über Bauernhöfe mitten in der Stadt bis zur Vermeidung von Plastikmüll.

Baumhäuser bis Handyräume

Viel Aufmerksamkeit wurde auch Bildung, Soziales und Wohnen eingeräumt, was die Rathausexperten unter "Chancen und Zukunft" zusammenfassten. Billigere Wohnmöglichkeiten, Handy-Räume und Baumhäuser für Schulen oder mehr Mitspracherechte in der Schule werden eingefordert.

In Sachen Kultur und Freizeit wünschen sich die Kids etwa mehr Spielplätze auch in den Innenhöfen, längere Öffnungszeiten oder Flutlicht für Sportanlagen oder billigere Eintrittspreise. Mobilität beschäftigte die Teilnehmer ebenfalls häufig. Vielen Jung-Wienern ist die Stadt zu voll mit Autos und ihren Nebenerscheinungen - von Lärm bis Abgase. Lange Wartezeiten bei Fußgängerampeln und für Öffis abseits der Stoßzeiten und am Stadtrand werden bemängelt, im Gegenzug breitere Radwege und Pkw-freie Tage gefordert.

Für alle insgesamt neun Themencluster wurden bereits von einem Fachbeirat recht allgemein gehaltene Zielsetzungen für die kommende Kinder- und Jugendstrategie formuliert. Außerdem wurden die Dienststellen der Stadt schon im Sommer angewiesen, bestehende und geplante Maßnahmen zusammenzutragen. 450 wurden gesammelt, neue sollen noch dazukommen.

Bevor die Strategie Anfang 2020 beschlossen und ab dann fünf Jahre gültig sein wird, gibt es am 20. November, dem Tag der Kinderrechte, noch eine Konferenz mit Kindern und Jugendlichen. Delegationen aller beteiligten Altersgruppen diskutieren die Maßnahmenvorschläge, Rückmeldungen werden dann noch in die finale Version eingearbeitet. Die soll dann der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Kinder und Jugendliche werden zudem die Umsetzungsphase der Strategie mit dem eingesetzten Fachbeirat kritisch begleiten, so der Plan.