Das Duell um Wien war einmal. SPÖ und FPÖ hatten es verlässlich im Fünfjahresabstand ausgerufen. Beide Parteien stilisierten die Gemeinderatswahlen in der Bundeshauptstadt zu einem erbitterten Zweikampf um den Sessel des Bürgermeisters. Das Bild kam ihnen nur recht. Die Sozialdemokraten konnten mit der drohenden Gefahr, das rote Wien an die Rechten zu verlieren, Wählerstimmen erhaschen. Die Freiheitlichen punkteten mit der Verheißung, als einzige Partei den vermeintlichen Postenschacher und Filz im Rathaus zu beenden.

Dominik Nepp muss die Bürde der Wiener FPÖ alleine tragen. - © apa/Georg Hochmuth
Dominik Nepp muss die Bürde der Wiener FPÖ alleine tragen. - © apa/Georg Hochmuth

Die Erzählung hat ausgedient. Die FPÖ ist im Rennen um Wien weggebrochen. Bei einer Klubklausur in der St.-Martins-Therme in Frauenkirchen im Burgenland sucht der Rathausklub der Wiener FPÖ nun nach Lösungen. Schließlich gilt es in Wien 2020 Wahlen zu schlagen. Der designierte Landesparteichef Dominik Nepp wird sie als Spitzenkandidat bestreiten, wie die Blauen am Mittwoch bekanntgaben. Er soll die Freiheitlichen aus der Krise und zurück zu alter Stärke führen.

Vom Schlachtross zum Pony

Denn über Jahrzehnte war die Wiener FPÖ die mächtigste Landesorganisation der Partei. Als sie ein junger Heinz-Christian Strache 2004 von Hilmar Kabas übernahm, begann ihre Erfolgsgeschichte. Schon bei der Gemeinderatswahl 2005 überraschten Strache und die Wiener FPÖ mit 14,8 Prozent der Wählerstimmen. Das Ergebnis bedeutete zwar ein Minus von 5,3 Prozent, lag aber deutlich über den Prognosen.

Die Freiheitlichen lagen nach Knittelfeld und dem Abgang von Jörg Haider am Boden. Die Partei war zerfallen. Strache machte sich an den Wiederaufbau. Die Richtung zeigte nach oben. 2010 erreichten die Freiheitlichen in Wien schon 25,7 Prozent. 2015 knackten sie sogar die 30-Prozent-Marke. Und 2020 sollte das blaue Wiener Schlachtross den Roten endlich den Rang ablaufen.

Doch es kam anders. Die Ibiza- und Spesenaffäre erschütterte im Sommer 2019 die gesamte FPÖ. "Die Wiener Landespartei wurde aber am härtesten getroffen", sagt der Politologe Thomas Hofer. Sie verlor neben Obmann Strache auch den geschäftsführenden Wiener Parteichef Johann Gudenus. Die ersten Auswirkungen des freiheitlichen Super-GAUs zeigte die Nationalratswahl Ende September. In Wien fuhr die FPÖ das mit Abstand schlechteste Ergebnis aller Bundesländer ein. Kein gutes Omen für die Landtagswahl in der Bundeshauptstadt im kommenden Jahr.

Denn selbst ohne Ibiza-Skandal, Spesenaffäre und mit Zugpferd Strache wäre der Erfolgslauf der Blauen in Wien wohl ins Stocken geraten. "Die Szenerie war 2015 eine andere", sagt Hofer. Das Kernthema der FPÖ - die Flüchtlinge - war dauerpräsent. Als Feindbild diente die große Koalition in der Bundesregierung. Und die ÖVP-Wien war unter Manfred Juraczka in den einstelligen Prozentbereich gerutscht. "Den Wert von 2015 würde die FPÖ auch mit einem unbefleckten Strache nicht mehr erreichen", sagt Hofer. "Durch Ibiza und die Folgeerscheinungen wäre es ein Wunder, wenn die FPÖ 2020 nicht massiv an Stimmen verliert."