Wien. Psychologen schlagen Alarm: Psychische Erkrankungen werden in Österreich, zumal in Wien, nicht ernst genug genommen. Die dadurch entstehenden Kosten seien enorm, heißt es vom Berufsverband Österreichischer Psychologen (BÖP).

Bis zu fünf Prozent der Gesamtbevölkerung Österreichs sei von einer psychischen Erkrankung in schwerem Ausmaß betroffen, heißt es vom BÖP. "Das sind rund 442.000 Einzelschicksale." Die Anzahl der Menschen in Österreich, die psychisch krank sind, wird sogar auf 1,2 Millionen geschätzt. Dem Berufsverband zufolge kosten psychische Erkrankungen in Österreich bis zu zwölf Milliarden Euro jährlich. Ein großer Teil könne durch eine bessere Prävention und Versorgung eingespart werden. Psychische Erkrankungen führen zu durchschnittlich 40 Krankenstandstagen, während somatische Erkrankungen nur elf Krankenstandstage nach sich ziehen. Zwei Drittel der Frühpensionierungen resultieren aus psychischen Erkrankungen.

Beim Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) seien Psychologen am Rande ihrer Leistungsfähigkeit, berichtet "die Presse". Dienstposten werden nicht nachbesetzt, es gebe monatelange Wartezeiten auf Termine. Zudem wird heute, Mittwoch, eine Novelle des Bedienstetengesetzes beschlossen, durch die das Anfangsgehalt neu angestellter Psychologen um rund ein Viertel gekürzt wird. Man arbeite "derzeit an einer einheitlichen Zuordnung klinischer Psychologen im neuen Wiener Bedienstetengesetz", hieß es dazu auf Anfrage vom KAV.

Der BÖP hat mittlerweile eine Petition gestartet, in der sie für eine bessere Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen fordert. Mehr als 16.000 Menschen haben diese bereits unterschrieben.

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