Die Nordbahnhalle in der Leopoldstadt wird seit Dienstag abgerissen. Die Arbeiten an dem durch einen Brand am 10. November beschädigten Gebäude begannen am Vormittag. Stadt und ÖBB hatten zuletzt versichert, dass eine Rettung des als Kulturzentrum genutzten Objekts nicht möglich sei.

Die Abbrucharbeiten werden voraussichtlich bis Ende Jänner 2020 dauern. Anschließend wird dort ein Teil des neuen Grünraums im Stadtentwicklungsgebiet Nordbahnviertel - "Freie Mitte" genannt - errichtet. Die Ursache für den Brand ist noch immer ungeklärt.

Die Initiative IG Nordbahnhalle sprach sich - letztendlich vergebens - dafür aus, mit den Abrissarbeiten nicht vor Abschluss der Untersuchungen zur Brandursache zu beginnen und die vollständige Veröffentlichung der Ergebnisse abzuwarten. Zudem wurde am Dienstag in einer Aussendung die Forderung bekräftigt, einen räumlich adäquaten Ersatz für den Verlust der Nordbahnhalle zu finden.

Erfolgreiche Zwischennutzung

Die ÖBB-Lagerhalle aus den 1960er-Jahren erlebte von März 2017 bis Juli 2019 einen unerwarteten Höhenflug. Im Rahmen einer Lehrveranstaltung der TU-Wien wurde sie für unterschiedliche Nutzungen adaptiert. Die Studierenden richteten eine Werkstatt ein, bauten Co-Working-Büros, eröffneten eine Veranstaltungshalle mit Gastro-Bereich. 200.000 Menschen besuchten die Halle in zwei Jahren. Hochzeiten fanden hier genauso statt wie das Urbanize-Festival, Ausstellungen, Podiumsdiskussionen, Workshops, Vernetzungstreffen, Feste, Radrennen, Tischtennis- und Minigolfturniere, Grill- und Filmabende. Als der Zwischennutzungsvertrag auslief, sperrte sie die Stadt Wien im Juli zu. Die 1300 Quadratmeter große Fläche sollte in einen 90.000 Quadratmeter großen Park integriert werden, der in Zukunft das Zentrum des neu geplanten Viertels sein soll.

Doch die Akteure der Nordbahnhalle schlossen sich mit Anrainern, Stadtplanern, Aktivisten, Experten zur IG Nordbahnhalle zusammen. Sie wollten den Abriss verhindern, sammelten tausende Unterschriften. Die Stadtregierung verschrieb sich eine Nachdenkpause von einem Jahr, stellte aber gleichzeitig fest, die Halle langfristig nicht erhalten zu wollen. Der Brand im November beendete die Diskussion.