Monte Laa wird über die komplette Infrastruktur einer organischen Stadt - Schule, Nahversorgung, Gastronomie, Hotel, Freizeit- und Wellnesseinrichtungen - verfügen. Damit setzt Monte Laa die Philosophie der gemischten Nutzung erstmals im Wien von heute konsequent um: arbeiten, wo man wohnt - erholen, wo man arbeitet", schrieb Otto Raschauer, damals Projektleiter beim Baukonzern Porr, zu Beginn des Großprojekts in der Zeitschrift "Zement+Beton". Kennt man den nach 20 Jahren noch immer nicht fertiggestellten Stadtteil am Nordhang des Laaer Bergs aus eigener Anschauung, fragt man sich, ob hier einfach nur das Blaue vom Himmel versprochen wurde, ob man trotz bester Absichten fulminant gescheitert ist, oder ob lediglich Unklarheit herrschte über das wahre Wesen einer "organischen Stadt".

Der Verdacht liegt nahe, dass das ehrgeizig klingende Unterfangen von Anfang an vor allem der Wertsteigerung einer konzerneigenen Liegenschaft diente, die ursprünglich so gut wie wertlos war. Denn die PORR-Gründe am Laaer Berg wurden von der sechsspurigen Stadtautobahn A23, der Wiener Südosttangente, durchschnitten, was kaum eine andere Nutzung denn als Kranlagerplatz in Betracht kommen ließ - bis es dem Bauunternehmen gelang, die Wiener Stadtregierung dafür zu gewinnen, sein 90.000 Quadratmeter großes Areal inmitten von Autohändlern, Gewerbebetrieben, Kleingartenhäusern und Sportanlagen durch eine in keinem Stadtentwicklungsplan oder Verkehrskonzept je vorgesehene Umwidmung zu versilbern. Voraussetzung dafür war lediglich die Überplattung der meistbefahrenen Straße Österreichs, um die beiden Grundstückshälften miteinander zu verbinden. Allerdings geschah dies nur auf einer Länge von 220 Metern: Eine großzügigere Tunnelführung der Autobahn hätte zwar einen besseren Schutz des Neubauviertels vor den Lärm- und Abgasemissionen von täglich bis zu 200.000 durchfahrenden Autos bedeutet, doch wären damit umfangreichere und somit teurere Verkehrssicherheitsmaßnahmen verbunden gewesen. So begrenzt heute eine bis zu 20 Meter hohe Schallschutzwand über jeder der beiden Tunnelportale die Siedlung.

Gutes Verhältnis zwischen Porr und SPÖ

Es war nie ein Geheimnis, dass zwischen den Betreibern von Monte Laa und dem Rathaus, sprich: der Wiener SPÖ, ein besonderes Verhältnis besteht. Immerhin war die einst stadteigene Zentralsparkasse der größte Aktionär des Baukonzerns, dessen Führungsriege auch lange Zeit danach noch zum "roten Adel" Wiens zählte. Bis heute unterhält die Stadt Joint Ventures mit dem Hoch- und Tiefbaukonzern. Am deutlichsten aber trat ihr Nahverhältnis zu Tage, als Wiens langjähriger Wirtschafts- und Finanzstadtrat, der inzwischen verstorbene Ex-Vizebürgermeister Hans Mayr, nach seinem Ausscheiden aus der Politik 1994 als Aufsichtsratsvorsitzender in die Porr AG wechselte - was der planungspolitischen Einschätzung der konzerneigenen Städtebauvision für den Laaer Berg wenige Jahre später bestimmt nicht abträglich war.