Neben dem politischen Rückenwind konnte sich der Baukonzern auch auf die Unterstützung namhafter Architekten verlassen. Hans Hollein und Albert Wimmer wurden dafür gewonnen, den Masterplan für den neuen Stadtteil zu entwerfen, wobei Holleins massiver 110 Meter hoher Doppelturm das Zentrum bilden, "als weithin sichtbares Wahrzeichen für Monte Laa fungieren und neue Akzente in der Wiener Skyline setzen" sollte (Otto Raschauer in "Zement+Beton"). Statt den übergeordneten Stadtentwicklungskonzepten zu folgen und den Masterplan für diesen entlegenen und völlig unzureichend erschlossenen Standort kategorisch zurückzuweisen, übernahm die Wiener Stadtplanung das städtebauliche Konzept des Grundeigentümers als Vorlage für einen Flächenwidmungs- und Bebauungsplan.

Von den "großzügigen Grün- und Freiflächen" oder der "besonderen Kinder- und Jugendfreundlichkeit" des Stadtteils, von denen Wiens damaliger Wohnbaustadtrat Werner Faymann schwärmte, ist bis heute freilich ebenso wenig zu sehen wie von der verheißenen urbanen Vielfalt. Vielmehr zerfällt der Monte Laa in zwei Teile: ganz im Westen das wuchtige Bürokonglomerat mit dem 1999 fertiggestellten Porr Tower als Headquarter des Baukonzerns, und östlich davon - getrennt durch das Dauerprovisorium eines Parkplatzes auf einem brachliegenden Baufeld - eine reine Wohnbebauung samt Bildungscampus und Nahversorgungszentrum, die längst über die Porr-Gründe hinausreicht. In ihrer Mobilität hängen die rund 6.000 Bewohner in hohem Maße vom Auto ab, zumal das Fahrrad an einem der höchsten Punkte im Süden Wiens topographisch bedingt wenig attraktiv ist - und der öffentliche Verkehrsanschluss sich auf die Buslinie 68A beschränkt. Die vom Projektentwickler kolportierte "fußläufige Nähe zur U-Bahn-Station Reumannplatz" entspricht einer Entfernung von 1,2 Kilometern.

Hochhausturm als Marketing-Gag

Dass sich einst hochwertige Funktionen an diesem Standort ansiedeln könnten, wurde von Immobilienexperten seit jeher ebenso bezweifelt wie die Realisierung des aufsehenerregende Hochhausentwurfs von Hans Hollein. Vielmehr dürfte dieser von Anfang an bloß als architektonischer Marketing-Gag gedient haben - sowie als Argument gegenüber der Stadt zur Durchsetzung des Gesamtprojekts. Nun war es aber so, dass die Flächenwidmung für den Wolkenkratzer zeitlich befristet war und - falls dieses Baurecht ungenutzt bliebe - 2009 verfallen wäre. Dadurch sah sich Porr gezwungen, vor Ablauf der Frist ein neues Projekt für das Zentrum von Monte Laa, auf das die seit fünf Jahren hier lebenden Bewohner schon sehnlichst warteten und noch länger warten werden, einzureichen - und zwar nach dem Motto: Wenn ein wuchtiger multifunktionaler Turm nicht finanzier- und verwertbar ist, dann mache man drei schlankere monofunktionale Türme daraus. Auch dieses Mal nahm die Wiener Stadtplanung die Wünsche des Grundeigentümers bereitwillig als Vorlage für einen neuen Flächenwidmungsplan entgegen und demonstrierte damit, dass sie bei Großprojekten unter Städtebau nicht viel anderes versteht als die Bedienung der Verwertungsinteressen von Spekulanten.

Die Südosttangente wurde nur auf einer Länge von 220 Meter überplattet. - © Reinhard Seiß
Die Südosttangente wurde nur auf einer Länge von 220 Meter überplattet. - © Reinhard Seiß

Nicht von Belang war, dass die geplanten drei Türme in krassem Widerspruch zu den Kriterien des Wiener Hochhauskonzepts von 2002 standen. Diese galten auch schon beim ersten Flächenwidmungsverfahren, doch hieß es damals von Seiten des Rathauses, sie würden auf ein bereits eingereichtes Projekt wie Monte Laa noch keine Anwendung finden. Als eine Bürgerinitiative auf deren Einhaltung beim neuen Flächenwidmungsverfahren 2009 drängte, wurde sie vom damaligen Planungsstadtrat Rudolf Schicker mit dem Verweis auf eine Übergangsbestimmung, die im Hochhauskonzept vorgesehen sei, abgewiesen - auch wenn diese Kulanzfrist in Wahrheit bereits 2005 abgelaufen war. Somit spielte es keine Rolle, dass bei den zwei im Vorjahr fertiggestellten Wohntürmen die geforderte Höchstdistanz von 300 Metern zu einer U-Bahn- oder Schnellbahnstation beziehungsweise zum Knotenpunkt zweier Straßenbahnlinien nicht einmal ansatzweise gegeben war.